Zwei infraSignal-Mitarbeitende stehen in neongelben Warnwesten mit dem Schriftzug "infraSignal" am Kreisverkehr Großen Stern mit der Siegessäule in Berlin
© Konstantin Börner

Interview

Es läuft smart – flüssiger Verkehr für ganz Berlin

Wenn Planung schnell Umsetzung wird, entsteht Fortschritt. infraVelo und infraSignal arbeiten genau an dieser Schnittstelle – agil, projektfokussiert und mit großer Expertise.

Der Mehrwert: schlanke Prozesse, kurze Wege zwischen Planung und Umsetzung und enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungen. So entstehen flexible und wirkungsvolle Lösungen für die Berliner Verkehrsinfrastruktur. Im Interview erläutern die Geschäftsführerin Katharina Marienhagen von infraSignal und Michael Fugel, Geschäftsführer der infraVelo, wie die Grün Berlin-Tochterunternehmen moderne Radverkehrsinfrastruktur und eine zukunftsfähige Mobilitätssteuerung voranbringen. Sie zeigen, wie Agilität im Projektgeschäft konkret wird – praxisnah, effizient und mit erlebbarem Nutzen für die Stadtgesellschaft.

Wie sieht Ihre Bilanz des Jahres 2025 aus? Was waren für Ihr Unternehmen die wichtigsten Highlights, konkret und strategisch?

Michael Fugel: infraVelo hat in allen Geschäftsbereichen wichtige Meilensteine erreicht. Hervorheben möchte ich die neue Radverkehrsanlage in der Grunewaldstraße in Tempelhof- Schöneberg: Zuvor gab es dort keinen eigenen Raum für den Rad- und Lieferverkehr. Im geplanten Zeit- und Kostenrahmen hat infraVelo zusammen mit allen Projektbeteiligten in elf Monaten Bauzeit die 1,6 Kilometer lange Verkehrsachse im Herzen Schönebergs modernisiert und für alle Verkehrsarten die Verkehrssicherheit erhöht. Insgesamt haben wir 4,5 Kilometer neue Radwege gebaut. Erstmalig haben wir in der Hufelandstraße in Pankow ein neues Schleifverfahren für Kopfsteinpflaster eingesetzt. Das ist ein besonderes Highlight, weil es wirklich innovativ ist: schnell, ressourcenschonend, kosteneffizient und dadurch das Radfahren sehr komfortabel wird. In Adlershof und in Hermsdorf wurden neue gesicherte Abstellanlagen mit insgesamt 96 Stellplätzen in Betrieb genommen, und am Regional- und S-Bahnhof Schöneweide haben wir Ende des Jahres die ersten Maßnahmen für den Bau von Berlins erstem öffentlichen Fahrradparkhaus und der dazugehörenden Abstellanlage mit insgesamt über 1.100 Plätzen gestartet. Ganz besonders stolz bin ich, dass wir für die erste Radschnellverbindung in Berlin das Genehmigungsverfahren – das Planfeststellungsverfahren – starten konnten. Das gab es in Berlin noch nie.

Katharina Marienhagen: Wir haben 2025 verschiedenste Ampelkreuzungen umgebaut um die Mobilität in Berlin sicherer und reibungsloser zu gestalten. Mehr als 100 Ampelanlagen haben wir modernisiert. Doch der wichtigste Meilenstein für infraSignal war der Abschluss unseres neuen Kooperationsvertrags mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Der Vertrag, der seit 2026 gilt, markiert einen echten Neustart. Bei der Rekommunalisierung 2023 haben wir den bestehenden Vertrag, den Berlin mit einem privaten Dienstleister hatte, übernehmen müssen – ein komplexes, starres und teils veraltetes Vertragswerk. Das Ziel unserer Neuverhandlungen war ein Vertrag, der die Effizienz steigert und die moderne, nachhaltige Gestaltung eines sichereren Straßenverkehrs für Berlin garantiert. Das ist uns gelungen. Auf dieser Grundlage können wir nun aufbauen und unsere Aufgabe – die Mobilitätswende in Berlin zu begleiten – als kommunales Unternehmen noch zielgerichteter erfüllen. Ein weiterer Höhepunkt war unser Umzug von Adlershof ins Ullsteinhaus im Juni 2025. Seitdem wachsen wir noch stärker mit der Grün Berlin Gruppe zusammen und nutzen Synergien.

Welche Ziele haben für die Arbeit von infraVelo und infraSignal im Moment den höchsten Stellenwert?

Michael Fugel: Für infraVelo ist es weiter wichtig, vom Planen ins Bauen zu kommen, damit jeder und jede sicherer und komfortabler mit dem Rad unterwegs sein kann. Wir wollen die Bezirke im engen Schulterschluss auch weiter unterstützen, wichtige Vorhaben in puncto Verkehrssicherheit und attraktivere Radinfrastruktur umzusetzen – mit unseren Ressourcen und unserem Know-how. Das sind auch Vorhaben, die auf unseren bisherigen Planungen für die Trassen der Radschnellverbindungen basieren. Hier kooperieren wir intensiv mit den Bezirken, gemeinsam mit der Senatsverwaltung.

Katharina Marienhagen: An erster Stelle steht bei uns die Modernisierung der Lichtsignalanlagen und ihrer gesamten Infrastruktur. Durch den Ersatz veralteter Technik schaffen wir zum einen die Grundlagen für ressourcenschonende, energieeffiziente Lichtsignalanlagen. Zum anderen sind moderne Anlagen die Voraussetzung für die Mobilität der Zukunft. Gemeinsam mit der Verkehrsverwaltung arbeiten wir aktuell an einer Strategie für den digitalen Stadtverkehr von morgen. Die Digitalisierung bringt sehr konkrete Anforderungen an und neue Möglichkeiten für die Infrastruktur der Lichtsignalanlagen.

Das neue Schleifverfahren von Kopfsteinpflaster ist wirklich innovativ: schnell und ressourcenschonend.

Welche Potenziale liegen für Sie im allgegenwärtigen Thema KI? Was bedeutet es für infraVelo und infraSignal – und was für Ihre Zusammenarbeit?

Katharina Marienhagen: Wie in anderen Branchen bietet KI auch im Verkehrswesen ein ungeheures Potenzial. Allerdings müssen im ersten Schritt die Grundlagen und Voraussetzungen
geschaffen werden, um KI gewinnbringend zu nutzen. Wir müssen uns – auch gemeinsam mit infraVelo – zum Beispiel fragen und entscheiden, welche Daten aus verschiedenen Planungs- und Betriebsprozessen wir verfügbar machen und nutzen wollen. Hierzu ist es vor allem mit Blick auf Informationssicherheit wichtig, frühzeitig über über Berlin hinaus zu schauen, Erfahrungen auszutauschen, Standards zu harmonisieren und überregionale Entwicklungen zu integrieren. Damit haben wir bereits begonnen.

Michael Fugel: Hinzu kommt, dass sich mit der Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur zunehmend auch zuvor getrennte Aufgabenfelder verbinden. Die Modernisierung von Ampelanlagen und die Planung von Radverkehrsinfrastruktur werden dabei gemeinsam betrachtet. So kommen zur Detektion von Kfz‑ und Radverkehr neue Videotechnik und Wärmebildkameras zum Einsatz, unter anderem an der Alexandrinenstraße im Bezirk Friedrichshain‑Kreuzberg. Ergänzend ermöglichen angepasste Signalsteuerungen wie grüne Wellen eine flüssigere Führung des Radverkehrs. Die Digitalisierung ist also kein Zusatz-Feature, sondern das notwendige Betriebssystem für einen flüssigen Stadtverkehr. In einem ganz anderen Bereich arbeiten wir bei infraVelo auch mit KI-Anwendungen: Seit 2024 haben wir in unserem System ParkYourBike – mit dem in Berlin und Brandenburg gesichertes Fahrradparken möglich ist – einen intelligenten Service-Bot im Einsatz. Der Bot wurde von Euroforum und Handelsblatt mit dem Service Globe Award 2024 ausgezeichnet.

Was sind im Hinblick auf die Verbesserung des Berliner Stadtverkehrs derzeit die größten Herausforderungen?

Katharina Marienhagen: Die Herkulesaufgabe ist die umfassende Modernisierung der bestehenden Infrastruktur der Lichtsignalanlagen. Wir müssen die gesamte Hardware – von den Steuergeräten über die Verkehrsrechner bis zur Sensorik – konsequent erneuern. Moderne Hardware ist die Voraussetzung für digitale Kommunikation, eine zentrale Steuerung, kooperative intelligente Verkehrssysteme (C-ITS) und die Zukunft des Straßenverkehrs. Darüber hinaus müssen wir unbedingt die alten Glühlampen durch moderne LED-Technik ersetzen. LEDs verbrauchen deutlich weniger Energie, sind besser sichtbar und viel zuverlässiger. Außerdem werden die klassischen Glühlampen bald gar nicht mehr produziert. Wenn dann etwas ausfällt, können wir die Anlagen schlicht nicht mehr reparieren – und das dürfen wir nicht riskieren.

Michael Fugel: Aus meiner Sicht ist die Verkehrssicherheit das zentrale Thema. Die größte Herausforderung ist dabei die oft komplexe Situation an Knotenpunkten in Berlin. Durch C-ITS-Technologie machen wir Radfahrende für andere Verkehrsteilnehmende und die Infrastruktur digital sichtbar: Ein vernetztes System erkennt herannahende Radfahrende frühzeitig und kann beispielsweise Abbiegeassistenten in Lkw priorisiert warnen oder Ampelphasen dynamisch anpassen, um die Sicherheit zum Beispiel an Unfallschwerpunkten zu erhöhen, ohne den Autoverkehr pauschal auszubremsen. Diese digitale Sichtbarkeit kompensiert bauliche Engpässe und ist der Schlüssel, um die Vision von Zero Accidents und einem flüssigen, angstfreien Radverkehr in der gesamten Stadt in die Realität zu bringen. Wir bauen also nicht nur Radwege, sondern integrieren sie in einen intelligenten Datenraum.

Und darüber hinaus: der Ausbau des Netzes und durchgängiger Verbindungen – gerade auch über Bezirksgrenzen und die Stadtgrenze hinaus – sowie den Mobilitätsmix noch attraktiver zu machen: Statt Konkurrenzdenken um Flächen und Insellösungen braucht es ein gutes Miteinander und Lückenschlüsse von Verbindungen. Hier geht es darum, an Umsteigepunkten attraktive Services anzubieten, die gut aufeinander abgestimmt sind, wie zum Beispiel einen komfortablen Umstieg zwischen Rad und ÖPNV mit mehr gesicherten Fahrradabstellanlagen und einem einheitlichen Buchungssystem, mit dem Berlinerinnen und Berliner ihr Rad bequem an allen Stationen in Berlin und Brandenburg abstellen können.

An erster Stelle steht die Modernisierung von Lichtsignalanlagen für mehr Energieeffizienz.

Berlin 2040 – wie sieht der vernetzte Verkehr aus?

Katharina Marienhagen: Ampeln nehmen eine neue Rolle ein. Sie stehen nicht mehr für starre Rot- oder Grünphasen. Vielmehr sind Lichtsignalanlagen wichtige Lotsen, die alle Verkehrsteilnehmenden intelligent und flexibel durch die Stadt steuern. So entsteht ein Mobilitäts-Ökosystem, in dem zum Beispiel Trams und Busse des öffentlichen Nahverkehrs sowie Rettungsfahrzeuge im Blaulicht-Einsatz durch intelligenten Ampelvorrang schneller durch den Verkehr kommen. Der vernetzte Verkehr fließt insgesamt harmonischer auf Basis von Daten-Interaktion. Die entstehenden Datenströme können wir verwenden, um den Verkehrsfluss KI-basiert zu optimieren.

Michael Fugel: Intermodalität wird für unsere täglichen Wege gelebte Praxis sein. Eine Mobilitäts-App, die alle Mobilitätsarten und -Angebote miteinander vereint und dank vernetzter Mobilitäts- und Verkehrsdaten sekundengenau zeigt, wann und wie das Unterwegssein, schnell, verbindlich, zuverlässig und sicher mit ÖPNV, Rad oder Sharing-Diensten möglich ist. So wird moderne Mobilität in Berlin zu einem nahtlosen, verlässlichen und komfortablen Erlebnis. Jede und jeder findet das für sich passende Verkehrsmittel, und alle kommen umweltfreundlich, bezahlbar, stressfrei und oft schneller ans Ziel. Dafür schaffen
wir schon heute die Infrastruktur.