Bauen für ein besseres Berlin
Große Freiraum- und Hochbauprojekte umzusetzen, erfordert heute mehr denn je fachliche Tiefe, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, mit sich verändernden Rahmenbedingungen umzugehen. Klimaanpassung, komplexe Abstimmungsprozesse, Arbeiten im Bestand und wirtschaftliche Anforderungen prägen die Projektarbeit – oft gleichzeitig und unter hohem Zeit- und Kostendruck. Dass Grün Berlin unter diesen Voraussetzungen weiterhin zentrale Projekte für die Stadt erfolgreich realisiert, ist Ausdruck einer ausgeprägten Umsetzungsstärke und guter Teamarbeit zwischen den Bereichen. Im Interview berichten die Bereichsleitungen Freiraum/Infrastruktur Irina de Cuveland und Ole Hartmann sowie Anja Siebert, Bereichsleitung Hochbau, aus einer Team-Perspektive, worauf es heute ankommt, damit aus anspruchsvollen Planungen funktionierende, nachhaltige Stadträume werden.
Obwohl die Rahmenbedingungen für viele Freiraum- und Hochbauprojekte in den vergangenen Jahren immer anspruchsvoller geworden sind, setzt Grün Berlin weiter konsequent laufende und neue Vorhaben um. Worauf kommt es dabei heute besonders an?
Team: Bei jeder Planungs- und Koordinationsaufgabe, die wir bei Grün Berlin in Angriff nehmen, steht von Anfang an im Mittelpunkt, dass die Projekte am Ende effizient und pünktlich realisiert werden. Diese Haltung ist ein zentraler Aspekt unseres Selbstverständnisses. Dazu zählt selbstverständlich auch, dass wir mit den uns anvertrauten Budgets besonders verantwortungsbewusst im Interesse der Berliner Bürgerinnen und Bürger umgehen.
Die erfolgreiche Umsetzung von Freiraum- und Hochbauprojekten ist immer das Ergebnis gemeinsamer Arbeit, die es zu steuern gilt.
Wichtig ist dabei, dass wir im Projektverlauf stets flexibel bleiben. Gerade bei größeren Bauprojekten kann es oft überraschende Entwicklungen geben, auf die der Bauherr keinen Einfluss hat. In solchen Fällen gilt es rasch umzudisponieren, neue Partner zu identifizieren oder kreativ auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Dabei kommt Grün Berlin die lange, umfangreiche Erfahrung im Projektmanagement zugute. Wir profitieren von kurzen Wegen bei internen Abstimmungen, von unserer Kompetenz beim Problemlösen und davon, dass wir in alle Richtungen optimal vernetzt sind und so für jede Aufgabe zeitnah die besten Expertinnen und Experten finden.
Dabei sind wir natürlich nie auf uns allein gestellt. Grün Berlin versteht sich als ein Akteur der nachhaltigen Stadtentwicklung, der auf allen Ebenen Hand in Hand mit anderen zentralen Partnern arbeitet. Die erfolgreiche Umsetzung von Freiraumund Hochbauprojekten ist immer das Ergebnis gemeinsamer Arbeit, die es zu steuern gilt.
Das Rathaus- und Marx-Engels-Forum, bei dessen Neugestaltung Grün Berlin als Bauherr und Projektmanager agiert, ist hierfür ein anschauliches Beispiel. Wie entwickelt sich die Umsetzung dieses Projekts?
Team: Mit den bauvorbereitenden Maßnahmen konnten wir und unsere Partner schon im Februar 2025 beginnen. Los ging es mit der Erstellung einer Versickerungsfläche am Marx-Engels-Forum, die eine zentrale Rolle im System zum Regenwassermanagement spielen wird, das zwischen Fernsehturm und Spree entsteht. Damit Niederschläge dort in Zukunft versickern können, wurde der Untergrund in einem rund 870 Quadratmeter großen Bereich bis zu drei Meter tief aufgegraben, das Erdreich entsorgt und durch unbelasteten Boden ersetzt. Ende Juni 2025 folgte der Start des ersten Bauabschnitts. Zwischen Karl-Liebknecht- und Rathausstraße haben an der Spree die Erdarbeiten begonnen, die für den Bau der Treppen- und Rampenanlage erforderlich sind. Sie wird das Ufer zu einem sozialen, barrierefreien Treffpunkt machen.
Was sind und waren die speziellen Herausforderungen, um schnell und gezielt zur Realisierung zu kommen?
Team: Ein wichtiger Faktor war, so früh und präzise wie möglich die für den Bau optimalen Cluster und Bauabschnitte zu definieren: Welche Arbeitsphasen sind in welcher Reihenfolge zielführend und effizient? Im Projektverlauf gilt es dann trotz klarer Abläufe und Bauphasen immer ausreichend Raum für Flexibilität zu gewährleisten. Wenn sich Rahmenbedingungen verändern, müssen wir weiterhin handlungsfähig bleiben.
Zahlen & Fakten Gendarmenmarkt
- Fläche: 1,4 Hektar
- Investitionen: ca. 21 Mio. €
- Finanzierung: GRW-Mittel, Landesmittel
- Gesamtlänge Trinkwasserleitung: 737 Meter
- Gesamtlänge Abwasserleitung: 1.120 Meter
- Gesamtlänge Stromleitung: ca. 3.000 Meter
- Menge Natursteinpflaster: ca. 6.000 Tonnen
- Fertigstellung: 2025
Wir priorisieren, soweit möglich, immer den Erhalt einer Bausubstanz vor dem Abriss und Neubau.
Ein entscheidender Vorteil für die Umsetzung ist es auch, wenn sich der Bauherr auf das Wissen stützen kann, dass die Planungen den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger entsprechen. Im Fall des Rathaus- und Marx-Engels-Forums gab es bereits ab 2015 ein intensives Beteiligungsverfahren. Es drehte sich um die Frage, wie der Freiraum so weiterentwickelt werden sollte, dass seine architektonische Geschichte und der heutige Bedarf optimal ineinandergreifen. Erst als diese Ergebnisse vorlagen, wurde 2021 der intenationale Wettbewerb für das raumplanerische Konzept ausgerufen.
Ein weiteres Beispiel: Die Bauarbeiten für das komplexe Vorhaben Gendarmenmarkt wurden nach nur rund zweijähriger Bauzeit im März 2025 abgeschlossen. Was war hier das Erfolgsrezept?
Team: Alle Projektpartner und Stakeholder, von den Berliner Wasserbetrieben bis zu den Verantwortlichen des Konzerthauses, haben am Gendarmenmarkt an einem Strang gezogen. Das klingt zunächst selbstverständlich, ist aber das Ergebnis einer umfangreichen Koordinationsarbeit. Aus den Projekten heraus bedeutet dies, dass man immer auch über die eigenen Zuständigkeitsbereiche hinaus blicken muss und mit allen Beteiligten den frühzeitigen und regelmäßigen Austausch sucht. Und manchmal muss man auch besonders pragmatische Lösungen finden, wenn es darauf ankommt, die entscheidenden Personen im richtigen Moment an einen Tisch zu bekommen.
Ein weiteres Beispiel: Die Bauarbeiten für das komplexe Vorhaben Gendarmenmarkt wurden nach nur rund zweijähriger Bauzeit im März 2025 abgeschlossen. Was war hier das Erfolgsrezept?
Team: Alle Projektpartner und Stakeholder, von den Berliner Wasserbetrieben bis zu den Verantwortlichen des Konzerthauses, haben am Gendarmenmarkt an einem Strang gezogen. Das klingt zunächst selbstverständlich, ist aber das Ergebnis einer umfangreichen Koordinationsarbeit. Aus den Projekten heraus bedeutet dies, dass man immer auch über die eigenen Zuständigkeitsbereiche hinaus blicken muss und mit allen Beteiligten den frühzeitigen und regelmäßigen Austausch sucht. Und manchmal muss man auch besonders pragmatische Lösungen finden, wenn es darauf ankommt, die entscheidenden Personen im richtigen Moment an einen Tisch zu bekommen.
Am Gendarmenmarkt spielte das Thema Denkmalschutz eine besondere Rolle. Auch hier können wir bei Grün Berlin auf langjährige Erfahrungen in unterschiedlichsten Projekten zurückgreifen. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden gelingt es uns regelmäßig, bei Zielkonflikten tragbare und belastbare Kompromisse für alle Seiten zu erarbeiten. Die Umsetzung des Projekts Gendarmenmarkt bedeutete für uns nicht nur, einen 300 Jahre alten Platz zukunftsgerichtet zu sanieren und dabei die oberirdisch verlaufenden Versorgungsleitungen in den Untergrund zu verlegen. Auch die Baumaßnahmen an den Fernwärmeleitungen der Berliner Energie und Wärme und am Tunnel unter der Charlottenstraße haben wir in diese Gesamtmaßnahme integriert. Vom Ergebnis profitieren nun alle Anrainerinnen und Anrainer, vom Konzerthaus über den Deutschen und Französischen Dom bis hin zu den gastronomischen Betreibern und den Veranstaltern von Classic Open Air oder dem Weihnachtsmarkt. Durch vorausschauende Projektsteuerung und gemeinsames Handeln funktioniert der Gendarmenmarkt trotz sich verändernder klimatischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen
wieder als urbaner Stadtraum.
Zahlen & Fakten Rathaus- und Marx-Engels-Forum
- Entstehender Freiraum: 72.000 m²
- Bauzeit: 2024 bis 2030
- Investitionen: ca. 34 Mio. €
- Finanzierung: GRW-Mittel, Landesmittel, BENE 2
- Durchgängige Fußwege zwischen Spree- und Fernsehturm: 900 Meter
- Sitzstufen an der Spree: ca. 750 Meter
Der Gendarmenmarkt und das Rathaus- und Marx-Engels-Forum zeigen, wie sich das Prinzip der Schwammstadt umsetzen lässt. Welche Rolle spielt dieser Ansatz bei anderen Projekten – auch dort, wo Flächen stark versiegelt oder denkmalgeschützt sind?
Team: Das Schwammstadt-Prinzip ist ein zentrales Instrument, weil es hilft, zukünftige Klimafolgekosten zu reduzieren und Infrastruktur robuster zu gestalten. Entscheidend ist, dass wir die Aufgabe nicht ausschließlich als eine Frage von Stadtgrün verstehen, sondern als integriertes Infrastrukturprinzip: Regenwassermanagement, Untergrund, Oberflächen, Nutzung und Gestaltung werden gemeinsam gedacht. Gerade im Bestand und in sensiblen Stadträumen zeigt sich, wie wichtig diese integrierte Herangehensweise ist. In der konkreten Umsetzung bedeutet das, dass wir sehr differenziert vorgehen. Natürlich spielen Entsiegelung und Vegetation eine zentrale Rolle – etwa beim Rathaus- und Marx-Engels-Forum, durch den Einsatz klimaresilienter Baumarten wie der Ungarischen Eiche oder der Silberlinde, die Schatten spenden und zur natürlichen Kühlung von Stadtplätzen beitragen. Gleichzeitig arbeiten wir aber ebenso mit technischen Lösungen, versickerungsfähigen Belägen und unterirdischen Retentionsräumen, insbesondere auf stark versiegelten oder denkmalgeschützten Flächen. Dabei bleiben im Sinne des Denkmalschutzes historische Oberflächen erhalten, das Schwammstadt-Prinzip kann aber dennoch realisiert werden.
Zahlen & Fakten Umweltbildungszentrum Britzer Garten
- Fläche: 490 m²
- Investitionen: ca. 2 Mio. €
- Finanzierung: Erstattung Versicherung
- Bauzeit: 2025-2028
Der soziale Gedanke und die wirtschaftliche Effizienz gehen ebenso bei vielen Projekten Hand in Hand?
Team: Das ist immer unser Anspruch. Demnächst beginnen wir mit dem Wiederaufbau des Umweltbildungszentrums im Britzer Garten, das im Oktober 2024 abgebrannt ist. Als einmaliger Ort für Umweltpädagogik ist das Gebäude mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten ein wichtiges soziales Angebot im Südwesten Neuköllns. Beim Wiederaufbau können wir viele Erkenntnisse nutzen, die wir während des jahrelangen Betriebs des früheren Zentrums gesammelt haben: Was lief reibungslos? Was können wir optimieren, wo können wir vereinfachen und beim Bau sinnvolle Einsparungen realisieren? Solche Lerneffekte fließen auch bei der Sanierung der Lokhalle im Natur Park Südgelände mit ein. Bei diesem Projekt haben wir zusätzlich die Herausforderung, neue, kreative Ansätze mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen. Wir priorisieren, soweit möglich, immer den Erhalt einer Bausubstanz vor dem Abriss und Neubau. Unsere Expertise, auf diese Art Kosten und Material zu sparen, wächst von Jahr zu Jahr. Und nicht zuletzt hilft uns bei der erfolgreichen Umsetzung von Vorhaben eine ganz wesentliche Fähigkeit: die Ausdauer, mit der wir unsere Projekte vorantreiben. An einem Ziel festzuhalten, auch wenn auf dem Weg dorthin Schwierigkeiten auftreten, innovative Antworten gefragt sind und Kooperationsmöglichkeiten gefunden werden müssen – das ist eine der zentralen Kompetenzen von Grün Berlin. Wir handeln immer mit Blick auf die Lösung und das Gesamt ergebnis. Dieser Maxime zu folgen, ist die beste Voraussetzung dafür, dass Prozesse und Infrastrukturen funktionieren.
Zahlen & Fakten Lokhalle im Natur Park Südgelände
- Fläche (BGF): 6.700 m²
- Investitionen: ca. 22,2 Mio. €
- Finanzierung: Landesmittel, SIWA
- Bauzeit: 2018-2028