Gewachsene Wildnis und gestalteter Freiraum, erholsamer Rückzugsort und vielseitig nutzbare- Freiflächen – am Gleisdreieck ist ein City-Park neuen Typs entstanden. Von Beginn an haben dabei AnwohnerInnen engagiert mitgewirkt. Der rund 26 Hektar große Park am Gleisdreieck, bestehend aus dem Ostpark und Westpark, hat sich so von einer unzugänglichen Brachfläche zu einem generationsübergreifenden Lieblingsort für die BerlinerInnen und Touristen entwickelt. Dieser grüne Korridor mit dem Nord-Süd-Grünzug, Monumentenplatz, Flaschenhalspark und Park am Gleisdreieck ermöglicht auf einem durchgängigen Wegesystem vom Natur-Park Südgelände in Schöneberg über die Parkanlagen am Potsdamer Platz bis zum Tiergarten im Grünen zu spazieren, mit dem Fahrrad zu fahren oder zu skaten.

Von 1874 bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände in Verbindung mit dem Anhalter Bahnhof und Potsdamer Bahnhof als Güter- und Postbahnhof genutzt. Bis zu einem schweren Unfall 1912 kreuzten sich hier die Bahnlinien in Dreiecksform – daher die Namensgebung. Nach 1945 wurde der Personen- und Gütertransport eingestellt, lediglich S- und U-Bahn durchquerten noch das ehemalige Bahngelände, das sich allmählich zur unzugänglichen Stadtbrache entwickelte. Zwar gab es seit den Siebzigerjahren immer wieder Planungsabsichten, die von Bebauung bis zur Straßenplanung reichten – BürgerInneninitiativen, die hier einen idealen Raum für dringend benötigte Erholungsfläche sahen, stellten sich diesen Bebauungsplänen entgegen – mit Erfolg. 1997 beschloss das Land Berlin den Bau der Parkanlage. 

Der vom Atelier Loidl unter Berücksichtigung der Wünsche der AnwohnerInnen entworfene Park am Gleisdreieck ist ein echter Volkspark von und für alle: SkaterInnen und JoggerInnen, Jung und Alt, SpaziergängerInnen und BeachvolleyballerInnen, Picknickfans und Sportbegeisterte, NaturentdeckerInnen und TechnikfreundInnen finden hier ausreichend Raum und Angebote. Der Park gilt mittlerweile über die Grenzen Berlins hinaus als vorbildhaft – 2015 wurde er beispielsweise für die herausragende Qualität im Planungs- und Bauprozess bis hin zur Objekt- und Detailplanung mit dem Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2015 ausgezeichnet.

Die Wünsche und Ideen der BerlinerInnen flossen dabei von Beginn an in die Planung und Realisierung der Parkanlage ein. Bereits vor Auslobung des zweistufigen landschaftsplanerischen Wettbewerbs fand beispielweise ein intensiver Austausch mit den zukünftigen NutzerInnen über Haushaltsbefragungen, Online-Dialoge und Vor-Ort-Veranstaltungen statt. 2008 begann die Umsetzung des Siegerentwurfs des Atelier Loidl (Berlin), 2011 wurde der östliche Parkteil (Ostpark) und zwei Jahre später der westliche Teil (Westpark) fertiggestellt. Mit dem angrenzenden Flaschenhalspark und dem Monumentenplatz als Bindeglieder zum Nord-Süd-Grünzug ist das Parkensemble seit 2014 komplett. Dabei wird es im Rahmen der prozesshaften Fertigstellung stetig weiter entwickelt – unter Beteiligung der BürgerInnen, deren Wünsche und Ideen ein Nutzer_Innenbeirat vertritt.

Sowohl hinsichtlich der Möglichkeiten der aktiven bürgerschaftlichen Mitgestaltung als auch hinsichtlich der entstandenen Landschaftsräume ist auf dem Gleisdreieck eine Parkanlage neuen Typs entstanden. Leitidee der Gestaltung war es, einen „Park der zwei Geschwindigkeiten“ für die verschiedenen Nutzungsansprüche zu schaffen: Einerseits können sich bewegungshungrige ParknutzerInnen dank vielfältiger Angebote wie dem Skaterpark, breiten asphaltierten Wegen und grünen Freiräumen sportlich betätigen und gleichzeitig wird dem vielfach geäußerten Wunsch nach Ruhe, Entspannung und Naturgenuss Rechnung getragen. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufende ICE-Trasse fächert den Park in Ostpark und Westpark auf, dennoch verbinden sich die Parkteile als zusammengehörige Räume.
 
Die Parkgestaltung ist geprägt von den zentralen, weitläufigen Rasen- und Wiesenflächen, die von Wäldchen und einzelnen Bäumen gesäumt und von breiten Wegen durchquert werden. Oberstes Ziel der Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen war und ist es, die Belange von Naturschutz und Erholungsnutzung im Park am Gleisdreieck in Einklang zu bringen. Für Interessierte steht das Pflegekonzept des Parks am Gleisdreieck hier zum Download bereit. In seiner Zeit als wilde Brachfläche ist am Gleisdreieck eine einzigartige ökologische Vielfalt gewachsen, die auch im neuen Park erhalten bleiben soll. Darüber hinaus bietet der Park aber auch Spiel- und Sportplätze, einen Skaterpark und ganz besondere Frei- und Begegnungsräume: der Interkulturelle Garten „Rosenduft“ und der Naturerfahrungsraum im Ostpark, sowie die „Gärten im Garten“ im Westpark. Zudem knüpft das Gestaltungskonzept an die historische Nutzung des Geländes an – aufmerksame BesucherInnen finden Spuren der der Vergangenheit in Form alter Bahngleise, Signalanlagen und Prellböcken vor allem im Ostpark und Flaschenhalspark.

Daten & Fakten

Lage Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, zwischen Landwehrkanal, Möckernstraße, Yorckstraße und Flottwellstraße
Größe 26 Hektar: Ostpark 17 ha, Westpark 9 ha
Planung Atelier Loidl, Berlin
Eröffnung September 2011 (Ostpark); Mai 2013 (Westpark)
Preise & Auszeichnungen: Architekturpreis Berlin 2013, Sonderpreis Deutscher Städtebaupreis 2014, Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2015

 

Landschaftsarchitektur-Preis 2015: Park am Gleisdreieck, Berlin

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