Schafsherde auf dem Tempelhofer Feld.
© Konstantin Börner
Natur & Geschichte

Beweidung auf dem Tempelhofer Feld

Mit dem Ende des Flugbetriebs hat sich auf dem Tempelhofer Feld eine besondere Flora und Fauna entwickelt. Zwischen den ehemaligen Start- und Landebahnen tummeln sich mitten in der Großstadt schützenswerte Tierarten und zahlreiche, teils seltene Pflanzenarten gedeihen auf den großen Wiesenflächen.

Wie in anderen Parks und Grünanlagen kümmern sich Gärtner*innen auf dem Tempelhofer Feld das ganze Jahr über um die Pflege der Grünflächen. 2019 kamen dabei neue, tierische Landschaftspfleger zum Einsatz. In Absprache mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Feldkoordination im Rahmen der Bürgerbeteiligung startete Grün Berlin mit einer fünfjährigen Pilotphase in die Beweidung des Tempelhofer Feldes. Dabei fanden zunächst 25 Skuddenschafe, eine vom Aussterben bedrohte Schafrasse, ein neues Zuhause auf dem Areal. Auf der fest eingezäunten Feldlerchenschutzzone (ca. 23 ha) werden sie zum sukzessiven Abweiden und Pflegen der Fläche eingesetzt. Hinsichtlich der Besatzdichte entspricht das einer extensiven Beweidung für extrem ertragsarme Standorte, d. h. im Verhältnis zu Flächengröße und Bewuchs werden nur sehr wenig Tiere eingesetzt. Die Ergebnisse der Beweidung werden wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich analysiert und evaluiert.

Beweidung stärkt die biologische Vielfalt

Normalerweise werden die Flächen auf dem Tempelhofer Feld in regelmäßigem Turnus ein bis zweimal im Jahr (1- bis 2-schürige Mahd) gemäht. Bei einer Mahd wird der komplette Bewuchs plötzlich entfernt. Diese schlagartige Änderung des Mikroklimas und die kurzfristige Entfernung von Biomasse und Rückzugsorten für Tiere wirkt sich negativ auf die biologische Vielfalt aus.

Die extensive Beweidung ist im Vergleich dazu eine deutlich schonendere Landschaftspflege. Durch das Grasen der Tiere ändern sich die Flächenbedingungen nicht plötzlich und radikal, sondern langsam und kontinuierlich. Zusätzlich entsteht bei einer Beweidung kein gleichmäßiger „Kahlschnitt“, sondern ein sehr vielfältiges Flächenbild. Manche Bereiche werden von den Tieren stark frequentiert, hier entstehen offene Bodenflächen, die von Vögeln, Insekten und Reptilien als Sonnenbadestellen genutzt werden. Andere Flächen sind für die Weidetiere weniger interessant, hier entsteht eine hohe Ruderalflur, die Rückzugsort für Vögel, Insekten und Reptilien sein kann. Diese vielfältige mosaikartige Flächengestaltung wirkt sich nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus anderen Beweidungsprojekten in ganz Deutschland positiv auf die biologische Vielfalt aus.

Vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen

Genauso wie Wildtiere und Wildpflanzen gibt es auch viele Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind und auf Roten Listen geführt werden. Früher wurde in der Landwirtschaft mit einer großen Vielzahl an Nutztierrassen gearbeitet, weil die Tiere unterschiedlich an die Anforderungen der jeweiligen Region angepasst waren. Mit Ende des zweiten Weltkriegs begann eine Umstrukturierung der Landwirtschaft, in deren Zuge sich die Anforderungen an die Nutztiere stark verändert haben. So etablierte sich vor allem die intensive Leistungszucht. Daher wird in der Landwirtschaft heute nur mit wenigen hochleistungsfähigen Rassen gearbeitet.

Die gefährdeten Rassen haben jedoch viele erhaltenswerte genetische Eigenschaften, wie deren Langlebigkeit, Genügsamkeit, Widerstandsfähigkeit oder gute Muttereigenschaften. Dazu gehört auch die Rasse der Skudden, die auf dem Tempelhofer Feld in der Landschaftspflege eingesetzt wird und die wir durch Nutzung und Zuchtarbeit erhalten.

Skudden stellen die kleinste deutsche Schafrasse dar und stammen ursprünglich aus Ostpreußen und dem Baltikum. Die Rasse stand nach dem zweiten Weltkrieg vor dem Aussterben und konnte in Deutschland nur durch einen kleinen Zuchtstamm im Tierpark Hellabrunn (München) erhalten werden. Es gibt weiße, braune und schwarze Farbschläge. Nur die Böcke sind behornt. Skudden sind zäh, robust, anspruchslos und sehr gute Futterverwerter, weswegen sie für die ganzjährige Weidehaltung und Landschaftspflege sehr gut geeignet sind.

Grün Berlin setzt sich in dem von der GEH zertifiziertem Arche-Park am Kienberg aktiv für den Erhalt weiterer gefährdeter Rassen ein. Hier werden Erhaltungs- und Aufklärungsarbeit zu den Rassen Rotes Höhenvieh, Dülmener Pferden, Dunkle Biene, Coburger Füchse und Skudden geleistet.

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Bürger*inneninformation vor Ort

Interessierte können sich mit Fragen zur Beweidung, der Landschaftspflege und naturschutzfachlichen Aspekten auf dem Tempelhofer Feld zu bestimmten Zeiten an die Mitarbeiter*innen der Grün Berlin und externe Fachkräfte wenden.

Die nächsten Termine werden voraussichtlich wieder ab dem Frühjahr 2021 stattfinden.

Treffpunkt: vor dem Tor

Anmeldung: Beweidung-Tempelhof@gruen-berlin.de

Begrenzte Zahl der Teilnehmenden

Kontakt

Josephine Neumann

Beweidungsmanagement Tempelhofer Feld

030 700 906 710

Frank Wasem

Beweidungsmanagement Tempelhofer Feld

030 700 906 710

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