Blick auf die Landebahn des Tempelhofer Felds.
© Konstantin Börner
Natur & Geschichte

Geschichtspfad auf dem Tempelhofer Feld

Auf den Spuren der Geschichte des Tempelhofer Feldes

Bis ins 13. Jahrhundert reicht die Geschichte des Tempelhofer Feldes zurück, dessen Name auf einen Ordenssitz der „Tempelritter“ verweist. Von der ersten Parade des Soldatenkönigs 1722 bis zum Abzug der Alliierten aus Berlin Anfang der 1990er Jahre prägte fast durchgängig militärische Nutzung das Feld. Als Aufmarsch- und Übungsgelände der Berliner Garnison war es Schauplatz früher Flugversuche, Übungsgelände für Flugpioniere und Demonstrationsfeld für wissenschaftliche Flugexperimente. 1923 entstand der zivile „Flughafen Tempelhofer Feld“, der schon bald durch den Neubau der Nationalsozialisten ersetzt werden sollte. Im „Columbia-Haus“ am Nordrand des Feldes richteten die Nationalsozialisten das einzige offizielle Konzentrationslager der SS auf Berliner Stadtgebiet ein. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern, eingesetzt in der Produktion und Wartung von Kriegsflugzeugen, waren in einem großen Barackenlager untergebracht. Während der Berlin-Blockade versorgten Piloten der West-Alliierten die West-Berliner Bevölkerung über die legendäre „Luftbrücke“.

Ein „Informationspfad“, der mit Texten und historischen Bildern 20 Erinnerungs- und Gedenkorte markiert, macht die Besucherinnen und Besucher mit Stationen der Geschichte des Tempelhofer Feldes bekannt.


Konzept und Realisierung: Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e. V.; Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus, Beate Rossié; www.bfgg.de

Design: Helga Lieser, Berlin

im Auftrag der Tempelhof Projekt GmbH und der Grün Berlin GmbH

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Der Flughafen Tempelhof

Die Flughafen-Anlage wurde in der Zeit des Nationalsozialismus errichtet. Als „Weltflughafen“ sollte er die Macht des NS-Regimes demonstrieren und zugleich alle Anforderungen an einen modernen Verkehrsbau erfüllen.
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Der US-Amerikanische Luftwaffen-stützpunkt

Bis zum Abzug der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs war der Flughafen Tempelhof Stützpunkt der US-amerikanischen Luftstreitkräfte. Gebäude und Gelände waren in die amerikanische Militärbasis und den Zivilflughafen geteilt.
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Columbia-Haus

Die ehemalige preußische Militär-Arrestanstalt wurde 1933 Gestapo- Gefängnis und 1934 bis 1936 das einzige offizielle KZ auf Berliner Boden, eine der schlimmsten Folterstätten mit mehr als 8.000 politischen Gefangenen.
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Zwangsarbeiter-lager

Hier lebten 1944 etwa 2.400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter schlechtesten Bedingungen in einem Barackenlager. Sie mussten in den Flughafenhallen und Hangars in der Rüstungsproduktion arbeiten oder Kriegsflugzeuge reparieren.
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Ausflugsziel Tempelhofer Feld

Seit dem Ende des 18. Jh. war das Tempelhofer Feld ein beliebtes Ausflugsziel. Erst die Anlage des ovalen Flugfelds für den neuen Flughafen setzte in der NS-Zeit den vielfältigen Freizeitaktivitäten der Ausflügler ein Ende.
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Luftschiffer und Anfänge der zivilen Luftfahrt

Als militärisches Aufmarsch- und Übungsgelände war das Tempelhofer Feld Schauplatz früher Flugversuche. Die Aufrüstung im Ersten Weltkrieg brachte den entscheidenden Fortschritt für die Zivilluftfahrt und das Tempelhofer Feld.
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Der erste Flughafen

Der erste, 1923 eröffnete Flughafen wurde rasch zum Luftkreuz mit dem größten Passagieraufkommen in Europa. Im Zweiten Weltkrieg war er Standort der Rüstungsproduktion; Anfang der 1950er Jahre wurde er abgetragen.
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Garnisonfriedhof

Der Garnisonfriedhof grenzte nordöstlich an das Tempelhofer Feld. Angelegt 1861, lag er damals vor den Toren der Stadt. Im Laufe der Zeit wurde er mehrfach erweitert und Standort monumentaler Kriegerdenkmäler.
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Islamischer Friedhof

Am Fuße der Moschee liegt der älteste islamische Friedhof Deutschlands. Ali Aziz Efendi, erster „ständiger Gesandte der Hohen Pforte“ in Preußen wurde 1798 auf der Tempelhofer Feldmark beigesetzt und später hierher umgebettet.
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Sportgelände

Von 1830 bis 1867 befand sich hier die damals bedeutendste Pferderennbahn für Berlin und Umgebung. Seit den 1880er Jahren war das Tempelhofer Feld Trainings- und Spielort der ersten Berliner Fußballvereine.
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Sportpark Neukölln

Der Sportpark Neukölln lag inmitten von Grünanlagen entlang der Oderstraße. Das Stadion, Übungsplätze für Hockey, Fußball und Leichtathletik und Kinderspielplätze fanden großen Zuspruch im damaligen Arbeiterbezirk Neukölln.
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Kinderluftbrücke

Mit der „Kinderluftbrücke“, initiiert von deutschen Hilfsorganisationen, flogen in den Jahren 1953 bis 1957 etwa zehntausend Kinder aus bedürftigen Familien in die Bundesrepublik zur Erholung bei Gasteltern oder in Kinderheimen.
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Die Kulturlandschaft

Der Name „Tempelhofer Feld“ geht auf die Tempelritter zurück. Bald nach 1200 hatten sie im heutigen Alt-Tempelhof einen Ordenssitz gegründet. Ihr Gebiet erstreckte sich im 13. Jh. von Marienfelde bis zum heutigen Mehringplatz.
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Luftbrücke für DPS

Während der Berlin-Blockade 1948–49 flogen Transportmaschinen der Luftbrücke 5.536 jüdische Männer, Frauen und Kinder nach Frankfurt am Main. Sie hatten bis dahin als „Displaced Persons“ im amerikanischen Sektor gelebt.
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Blockade und Luftbrücke 1948/49

Auf die Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion reagierten die West-Alliierten mit einer „Luftbrücke“. Zur Versorgung der Bevölkerung transportierten Flugzeuge mit 278.000 Einsätzen mehr als 2,1 Millionen Tonnen Fracht nach West-Berlin.
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Zivilflughafen

Tempelhof war ein geteilter Flugplatz im geteilten Berlin – militärisch genutzt vom US-amerikanischen Army Aviation Detachment und Zivilflughafen für die Berliner*innen. Bis zu seiner ersten Schließung 1975 galt er als ihr „Tor zur Welt“.
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Exerzierplatz der Berliner Garnison

Ab 1722 diente das Tempelhofer Feld dem Militär für Paraden und Manöver. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und den folgenden Rüstungsbeschränkungen verlor das Feld seine Funktion als militärisches Übungsgelände.
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Massenkund-gebung

Am 1. Mai 1933 feierte das NS-Regime den „Tag der nationalen Arbeit“ auf dem Tempelhofer Feld mit einem seiner ersten und größten Massenaufmärsche. Am Tag darauf wurden die freien Gewerkschaften zerschlagen.
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Gartenstadt Neu-Tempelhof

Nach englischem Vorbild entstand 1920 bis 1928 eine städtebauliche Anlage mit öffentlichem Grün, Nutzgärten und Gemeinschaftseinrichtungen. Den Namen „Fliegerviertel“ mit Straßennamen von Piloten erhielt die Gartenstadt in der NS-Zeit.
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Fluchtpunkt Tempelhofer Feld

Zwischen 1950 und 1961 kamen monatlich viele tausend Menschen aus Ost-Berlin und der DDR nach West-Berlin. Die große Mehrzahl verließ die Halbstadt wenig später vom Flughafen Tempelhof in Richtung Frankfurt am Main.