Luftbild des Platzes der Luftbrücke in Berlin mit dem angrenzenden Gebäude des Flughafen Tempelhof.
© Dirk Laubner

Platz der Luftbrücke

Natur- und Artenschutz

Mehr Natur für Mensch und Tier

Die Umgestaltung des Platzes der Luftbrücke verbindet Klimaanpassung, Biodiversität und nachhaltige Stadtentwicklung. Ziel ist es, die bislang stark versiegelten und verkehrsgeprägten Flächen in einen klimaresilienten Stadtraum mit mehr Grün, neuen Lebensräumen für Tiere und einer deutlich höheren Aufenthaltsqualität zu verwandeln. Dabei werden bestehende ökologische Strukturen, wann immer möglich geschützt, neue geschaffen und Nachhaltigkeitsaspekte konsequent in Planung, Bau und Betrieb integriert.

Erhalt von Bäumen und neue grüne Lebensräume

Dem Erhalt der Bestandsvegetation wurde in der Planung eine hohe Bedeutung beigemessen. Gesunde und dauerhaft erhaltenswerte Bäume werden als Bestandteil der neuen Gestaltung erhalten. Gleichzeitig werden die Standortbedingungen vieler Bestandsbäume verbessert: Baumscheiben werden vergrößert, Flächen entsiegelt und die Versorgung mit Regenwasser optimiert.

Wo Baumfällungen aus Gründen der Verkehrssicherheit oder aufgrund ungünstiger ökologischer Standortbedingungen unvermeidbar waren, werden diese ausgeglichen. Es werden im Rahmen der Maßnahme insgesamt 23 neue Bäume gepflanzt – mehr, als gefällt wurden. Die Auswahl der neuen Baumarten orientiert sich sowohl an der Gestaltungsabsicht als auch an ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit und damit den Herausforderungen des Klimawandels.

Zusätzliche Pflanzungen aus Sträuchern, Stauden, Gräsern und Geophyten schaffen neue Rückzugs-, Brut- und Nahrungsräume für zahlreiche Tierarten und fördern die biologische Vielfalt im Quartier. Geophyten, also mehrjährige Pflanzen mit unterirdischen Speicherorganen wie Zwiebeln oder Knollen, sorgen zudem für eine lange Blühdauer im Jahresverlauf, bieten Insekten wertvolle Nahrungsquellen und sind besonders widerstandsfähig gegenüber Trockenperioden.

Visualisierung des Kaiserkorso des künftigen Platz der Luftbrücke.
© Bruun & Möllers, Grün Berlin

Schutz der Tierwelt während Bau und Betrieb

Der Schutz von Flora und Fauna hat während der gesamten Bauzeit hohe Priorität und wird fachlich begleitet. Die ökologische Baubegleitung stellt sicher, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten sowie vorhandene Lebensräume und Vegetationsbestände bestmöglich geschützt werden. Eingriffe werden auf das notwendige Mindestmaß beschränkt und mit den zuständigen Fachbehörden abgestimmt. Lokale Interessensverbände werden ebenfalls regelmäßig eingebunden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der lokalen Haussperlingspopulation. Für die vorübergehende Beeinträchtigung bestehender Ruheplätze werden geeignete Übergangslösungen geschaffen. Vorhandene Strauchbestände werden temporär umgesetzt und im Umfeld zusätzliche Futterangebote eingerichtet, um die Haussperlinge zu lenken. Langfristig werden die neuen Pflanzflächen und Gehölzstrukturen zur Schaffung zusätzlicher Lebensraumangebote für Tiere beitragen.

Schutz der Haussperlinge
Im Zuge der Neugestaltung muss die bestehende Mittelinsel in der Manfred-von-Richthofen-Straße zurückgebaut werden. Der Rückbau der Mittelinsel ist erforderlich, um die Neuordnung des Verkehrsraums, die Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie die Umsetzung des Regenwassermanagements mit den zugehörigen Leitungs- und Entwässerungsanlagen zu ermöglichen. Die dort vorhandenen Gehölzstrukturen werden nach fachlicher Einschätzung der eingebundenen Ökolog*innen und Ornitholog*innen von Haussperlingen als Ruhe- und Sammelplatz genutzt. Brutstätten konnten im Rahmen der Untersuchungen nicht festgestellt werden.

Dem Schutz der lokalen Haussperlingspopulation wurde dennoch von Beginn an eine hohe Bedeutung beigemessen. Gemeinsam mit Fachgutachter*innen und den zuständigen Behörden wurden verschiedene Maßnahmen entwickelt, um die Nutzung geeigneter Gehölzstrukturen auch während der Bauzeit sicherzustellen. So werden die auf der Mittelinsel vorhandenen heimischen Sträucher mit Ballen entnommen und für einen möglichst langen Zeitraum auf Freiflächen am künftigen Quartiersplatz umgesetzt. Dadurch bleiben den Vögeln vertraute Gehölzstrukturen im unmittelbaren Umfeld erhalten.

Ergänzend werden in Abstimmung mit den Fachbehörden Futterhäuschen in nahegelegenen Gehölzbereichen des Gartendenkmals am Tempelhofer Damm installiert und damit die Haussperlinge in ihrem Aktionsradius weiterhin gelenkt. Diese befinden sich weniger als 100 Meter vom bisherigen Aufenthaltsbereich entfernt, und unterstützen die Nutzung alternativer Gehölzstrukturen während der Bauzeit in den westlichen Teilbereichen. Gleichzeitig trägt die Fütterung über Futterhäuschen dazu bei, Verunreinigungen des Futters, wie es beim Ausstreuen auf dem Boden unvermeidlich ist, zu reduzieren.

Mit Abschluss der Baumaßnahmen entstehen durch neue Gehölzpflanzungen, zusätzliche Vegetationsflächen und die insgesamt höhere Grünqualität langfristig verbesserte Lebensraumbedingungen für zahlreiche Tierarten. So steht der Tierwelt künftig mehr und besser geeigneter Lebensraum zur Verfügung.
Artenschutz auf einen Blick
  • Fachliche Begleitung durch Ökolog*innen und Ornitholog*innen
  • Temporäre Umsetzung vorhandener Sträucher
  • Zusätzliche Futterangebote im direkten Umfeld
  • Keine festgestellten Brutstätten auf der Mittelinsel
  • Ökologische Baubegleitung während der gesamten Bauzeit
  • Perspektivisch mehr Bäume sowie Grün- und Gehölzflächen als heute

Nachhaltige Stadtentwicklung in der Praxis

Der Platz der Luftbrücke wird zu einem Modellprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung. Ökologische, soziale und ressourcenschonende Aspekte werden dabei gemeinsam betrachtet. Zu den zentralen Maßnahmen gehören:

  • Entsiegelung von Flächen und Ausbau grüner Infrastruktur
  • Pflanzung neuer Bäume und Schaffung neuer Pflanzflächen
  • Innovative Regenwasserbewirtschaftung nach dem Schwammstadt-Prinzip
  • Erhalt und Aufwertung bestehender Vegetationsstrukturen
  • Wiederverwendung vorhandener Natursteinmaterialien
  • Energieeffiziente und umweltverträgliche Beleuchtung
  • Förderung des Fuß- und Radverkehrs und damit Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmenden
  • Barrierearme Gestaltung öffentlicher Räume

Regenwasser als Ressource

Ein wichtiger Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts ist das innovative Regenwassermanagement. Regenwasser wird vor Ort gespeichert, über Mulden-Rigolen-Systeme versickert und den Pflanzen zur Verfügung gestellt. Dadurch werden die Kanalisation entlastet, die Grundwasserneubildung gefördert und die Widerstandsfähigkeit der Grünflächen gegenüber Trockenperioden unterstützt. Gleichzeitig verbessern Verdunstung und zusätzliche Vegetation das Mikroklima und tragen zur Abkühlung des Stadtraums bei.

Mehrwert für die Zukunft

Die Maßnahmen zum Natur- und Artenschutz schaffen nicht nur bessere Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere. Sie erhöhen zugleich die Lebensqualität für die Menschen im Quartier, stärken die grundsätzliche Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels und leisten einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung Berlins. Der Platz der Luftbrücke wird damit zu einem Freiraum, der ökologische Verantwortung und urbane Aufenthaltsqualität miteinander verbindet.

Natur und Nachhaltigkeit auf einen Blick
  • 23 neue Bäume im Projektgebiet
  • Zusätzliche Pflanzflächen für mehr Biodiversität
  • Erhalt der Bäume mit langfristiger Entwicklungsperspektive am Standort
  • Ökologische Baubegleitung während der Bauzeit
  • Regenwassermanagement nach dem Schwammstadt-Prinzip
  • Wiederverwendung vorhandener Natursteinmaterialien
  • Energieeffiziente Beleuchtung
  • Mehr Grünflächen und entsiegelte Bereiche für ein besseres Stadtklima