Ein Luftbild des Platzes der Luftbrücke.
© Thomas Rosenthal
Grün Berlin Insights | Platz der Luftbrücke

Ganzheitliches Gestaltungskonzept: Quartiersbezogene Planung schafft Raum für Verbindungen

Auch wenn die Attraktivität der Wohnviertel ringsum den Platz der Luftbrücke längst kein Geheimtipp mehr ist: Es fehlt dem ehemals bedeutenden Platz an der Grenze zwischen Tempelhof-Schöneberg und Kreuzberg an städtebaulicher Strahlkraft und einer verbindlichen Gestaltung, die die heute zusammenhanglos wirkenden Bauten und Stadtbausteine in einen gemeinsamen Kontext einbettet.

Der 2017 vom Land Berlin ausgelobte zweistufige Realisierungswettbewerb zielte daher darauf, den städtischen Raum zurückzugewinnen und ihn wieder als wichtigen städtischen Platz der Bundeshauptstadt wahrzunehmen. Der derzeit vor allem als Verkehrsraum erfahrene Ort soll durch die Neuplanungen zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurückfinden und wieder ein lebenswerter Ort für Anwohner*innen und Besucher*innen werden.

Vielfalt in der Gemeinsamkeit

Das Konzept der Wettbewerbsgewinner Bruun + Möllers (Hamburg) arbeitet zunächst die städtebaulichen Großfiguren am Platz heraus: die Kopfbauten des Jugendstil-Architekten Bruno Möhring sowie das Großrund des Flughafengebäudes Tempelhof (Architekt: Ernst Sagebiel). Durch gestalterische Verbindlichkeit bei Oberflächen und Stadtmöbeln soll eine gemeinsame Identität des fragmentierten Stadtraums hergestellt und so dessen übergeordnete Bedeutung wieder erlebbar werden. Die jeweiligen Charaktere der einzelnen Stadträume am Platz der Luftbrücke werden neu definiert und verknüpft („Vielfalt in der Gemeinsamkeit“). So entstehen sechs Teilgebiete: auf der Westseite die Manfred-von Richthofen-Straße mit dem neuen Quartiersplatz und einer neuen Piazza vor den Möhring-Bauten; auf der Ostseite das umgestaltete Gartendenkmal, die Südumfahrung und der denkmalgerecht gestaltete „Ehrenhof“ vor dem Eingang des Flughafens.

Visualisierung des künftigen Quartiersplatzes am Platz der Luftbrücke.
© Bruun & Möllers

Grau zu Grün

Die Manfred-von-Richthofen-Straße wandelt sich von der Durchgangsstraße zur belebten Kiezstraße, auf der man unter Platanen und auf breiten Fußwegen entspannt flanieren und einkaufen kann. Die bisher als Parkplatz genutzte Einmündung am Kaiserkorso wird gemeinsam mit den Bürger*innen zum begrünten Quartierstreffpunkt umgestaltet. Das Quartier entwickelt sich zum lebendigen öffentlichen Forum für den nachbarschaftlichen Austausch. Die Planungen sehen vor, den Verkehr insgesamt zu beruhigen und den Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV zu stärken.

Raum für Verbindungen

Dazu tragen perspektivisch auch schmalere Straßenquerschnitte bei gleichzeitig breiteren Bürgersteigen bei: Gegenüberliegende Straßenseiten „wachsen“ stärker zusammen. Auf der Ostseite des Platzes sorgt künftig eine schmalere „Südumfahrung“ zwischen dem Gartendenkmal mit der „Hungerharke“ und dem sogenannten „Ehrenhof“ am ehemaligen Flughafeneingang für eine Verbindung dieser beiden bisher getrennten Freiräume.

Visualisierung der künftigen grünen Manfred-von-Richthofen-Straße am Platz der Luftbrücke
© Bruun & Möllers, Grün Berlin

Interdisziplinäres Planungsteam antizipiert Nachhaltigkeitsstrategien

Darüber hinaus wurde sowohl ein umfassendes regenwasser- als auch verkehrstechnisches Konzept durch ein interdisziplinäres Planungsteam entwickelt. Der städtebauliche und landschaftsplanerische Entwurf am Platz der Luftbrücke antizipiert so bereits 2017/18 die drei ab 2019 entwickelten Berliner Nachhaltigkeits-Leitbilder: 1. Die Novelle des Mobilitätsgesetzes mit ihrer Priorisierung des Umweltverbundes aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr. 2. Die Charta Berliner Stadtgrün mit ihrer Stärkung und Sicherung der urbanen Grünräume. 3. Der Masterplan Wasser als Zukunftsstrategie der Berliner Wasserwirtschaft.