Visualisierung des Ausblicks über den künftigen Landschaftsraum der Tegeler Stadtheide.
© Atelier Loidl

Kluge Daten für grüne Räume

Daten helfen dabei, Stadtentwicklung und Flächenmanagement effizienter zu gestalten. Projekte von Grün Berlin zeigen beispielhaft, wie gut das funktionieren kann.

Das Gefühl von Weite, das man an diesem Berliner Ort empfindet, ist ein echtes Erlebnis. Um sich herum blickt man auf 200 Hektar weitgehend offene Landschaft, auf Heidepflanzen und Grasflächen. Man kann hier sogar seltene Vögel und Insekten entdecken – und das mitten in der Stadt. Auf dem Gelände des früheren Flughafens Tegel wurden bis zu dessen Schließung 2020 zeitweise bis zu 24 Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt. Derzeit wird das Areal zu einem völlig neuen Berliner Stadtteil umgestaltet, einem Modellquartier für nachhaltige urbane Innovationen. Ein großer Teil davon wird den Ausblick bieten, der eben beschrieben wurde: der Landschaftspark der Tegeler Stadtheide, zu dem Grün Berlin – im Rahmen des Gesamtprojekts „Nachnutzung des Flughafens Tegel“ – das Gelände des früheren Flug- und Rollfelds derzeit gestaltet und weiterentwickelt. Hier entsteht ein einmaliger Freizeit- und Erholungsraum für die Großstädter*innen und gleichzeitig ein Schutzreservat für die Flora und Fauna.

Monitoring auf die smarte Art

Bei der Tegeler Stadtheide geht es dabei sowohl um die ökologische und biodiverse als auch um die digitale Nachhaltigkeit. Das Biotop ist eine sprudelnde Quelle für grüne Daten und ihre Zusammenhänge. Mit Hilfe von Sensortechnologie, Drohnen und Künstlicher Intelligenz wird hier ermittelt, wie sich der Raum biologisch weiterentwickelt und ob beziehungsweise wie dabei die Ziele erfüllt werden, die im Entwicklungs- und Pflegekonzept definiert wurden. Der Erhalt und die Qualifizierung geschützter Biotope und die Förderung bestimmter Pflanzenarten sind einige davon. Das Monitoring hilft dabei, die Arbeit und Pflege so flexibel und kostengünstig wie möglich zu gestalten.

Passend zum Ort konfigurierte Smart-Nature-Technologien erlauben es zum Beispiel, mittels Künstlicher Intelligenz hochauflösende Drohnenbilder des Geländes auszuwerten und festzustellen, welche Pflanzen sich dort auf welche Weise ausbreiten. So können Störarten früh identifiziert werden. Die Erkenntnisse fließen in eine gemeinsame Datenbank aller Institutionen am Standort Tegel, die Wissenschaftler*innen und Unternehmen als Grundlage für die Forschung und die Identifizierung von Best-Practice-Methoden dient.

Szenarien mit vielen Vorteilen

Über die großen Themen Big Data und KI wird seit vielen Jahren öffentlich debattiert. Dabei geht es meist um die technologischen Möglichkeiten, die sie für die Digitalindustrie bieten, sowie um die praktischen Fortschritte, von denen die Gesellschaft profitieren kann. Ein wichtiger Aspekt dabei: die Funktion, die solche digitalen Fortschrittstechnologien für die Wirtschaftlichkeit der urbanen Entwicklung haben können – und dafür, wie gut und nachhaltig wichtige Arbeitsprozesse funktionieren.

Beispiele wie die Stadtheide zahlen auf eine übergreifende Zielsetzung ein, mit der Grün Berlin die urbane Entwicklung innovativer und effizienter macht. In der Stadt gewonnene Daten werden an Ort und Stelle gezielt analysiert, weiterverarbeitet und praktisch angewandt. Verwaltungen, Bürger*innen und Institutionen lernen aus ihnen, wie man das städtische Leben verbessern kann. Die aus den Daten gezogenen Erkenntnisse reduzieren Kosten und Redundanzen. Denn sie erlauben es, treffende Zukunftsszenarien zu zeichnen.

Umfangreich vernetzt

Der Landschaftspark der Tegeler Stadtheide zeigt, wie Grün Berlin echte Mehrwerte schafft. Um das Entwicklungs- und Pflegekonzept für die Stadtheide, mit dem das Unternehmen von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) beauftragt wurde, in dieser Hinsicht zu perfektionieren, ist das Unternehmen eine spannende Kooperation eingegangen: An der Entwicklung der Heide zum strategisch vernetzten Datenhub arbeitet Grün Berlin Hand in Hand mit der Tegel Projekt GmbH.

Die ebenfalls landeseigene Gesellschaft verantwortet neben dem neuen Wohngebiet Schumacher Quartier auch den an den Landschaftspark der Tegeler Stadtheide angrenzenden Forschungs- und Industriepark Urban Tech Republic (UTR), einen Ort für Start-ups und Forschung, an dem Teile der von Grün Berlin erhobenen Daten praktisch genutzt und weiter ausgewertet werden.

Zahlen und Fakten zur Tegeler Stadtheide

  • Fläche: ca. 152 Hektar
  • Investitionen: 48,5 Mio. €
  • Finanzierung: Landesmittel, Ausgleichs- und Ersatzmittel
  • Voraussichtliche Eröffnung: 2030

Eine Plattform für das Liegenschaftsmanagement

Der Einsatz von Datenbanken und digitalen Informationssystemen, mit deren Hilfe das Liegenschaftsmanagement vorausschauend geplant und betrieben werden kann, hat bei Grün Berlin eine lange Tradition. Die Entwicklung des sogenannten Grünflächeninformationssystems (GRIS) Berlin reicht sogar in die frühen Jahre der Datenverarbeitung zurück.

Nach diversen Vorstufen sowie der Integration eines geografischen Informationssystems (GIS) wurde das Berliner GRIS Mitte der 2010er-Jahre in der Form entwickelt, die heute genutzt wird. Damals wurden zudem verschiedene Datenbanktools addiert, die den Berliner Grünflächen- und Baumbestand umfassend dokumentieren und kartografieren. 2014 begann auch Grün Berlin, das GRIS schrittweise einzuführen.

Dazu wurden unter anderem einige Arbeitsprozesse neu aufgesetzt, mit denen Baumkontrollen zentral erfasst werden. Ein digitales Baumkataster verwaltet heute den gesamten Bestand, für den Grün Berlin zuständig ist. Für die mehr als 100 Bestandsgebäude von Grün Berlin und ihre Infrastruktur wird derzeit ein eigenes Modul entwickelt, das die Bewirtschaftung, Instandhaltung und Sanierung unterstützt.

Die optimale Übersicht behalten

Für die Arbeit von Grün Berlin in der Projektentwicklung und vor allem beim Betrieb der Liegenschaften fungiert das GRIS wie eine Datenbasis. Das System unterstützt das Flächenmanagement unter fachlichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten und stellt sicher, dass Daten und Informationen, die für die interne Planung oder für öffentliche Auskünfte benötigt werden, schnell, maßgeschneidert und korrekt zur Verfügung stehen.

Nachdem 2017 das Tochterunternehmen infraVelo gegründet wurde, entstand zudem der Bedarf an einer vergleichbaren Plattform für den Radverkehr, wofür die vorhandene IT-Infrastruktur herangezogen wurde. Aus dem GRIS wurde das infraVelo-Informationssystem (iVIS) entwickelt, das die zuständigen Mitarbeitenden in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweiterten. Das iVIS bildete zunächst Radverkehrswege und Radabstellanlagen ab, später dann auch Radverkehrsprojekte mitsamt ihren geografischen Kennzahlen. So wird die Arbeit für die Gruppe effizienter – ein Beispiel dafür, wie Digitalstrategien gezielt Ressourcen schonen können.

Erst simulieren, dann sanieren

Das gilt auch für ein Verfahren, das seit 2024 im Unternehmen angewandt wird. Hintergrund der Initiative ist die Nachhaltigkeitsstrategie von Grün Berlin sowie der Beitrag des Unternehmens zur Klimaneutralität der Stadt, die 2050 weitgehend erreicht werden soll. Dafür muss der energetische Status der Bestandsgebäude in den Liegenschaften untersucht werden. Das Ziel: den Sanierungsaufwand einschätzen zu können, der notwendig sein wird, um die Klimaziele zu erreichen.

Grün Berlin nutzt dafür ein neues, KI-gestütztes Verfahren der Firma Metabuild, das die Immobilien scannt und analysiert. Dazu wird ein digitaler Zwilling der Architektur erstellt, der energetische Status quo der Gebäude bewertet und per Simulationen das Nachhaltigkeitspotenzial ermittelt. Am Ende ergibt sich ein individuelles Maßnahmenkonzept für zukünftige Sanierungen, das auch den Finanzierungsaufwand beinhaltet und neben den Nachhaltigkeitskriterien beispielsweise den Denkmalschutz oder andere limitierende Faktoren berücksichtigt. 2024 wurde so bereits das Besucherzentrum in den Gärten der Welt exemplarisch untersucht, weitere Anwendungen sollen folgen.

Um urbane Strukturen für die Nachhaltigkeitsstandards der Zukunft fit zu machen und entsprechende Konzepte möglichst maßgeschneidert und damit kosteneffizient zu gestalten, sind solche digitalen Innovationen unentbehrlich. Mit intelligenten Systemen, datenbasierten Strategien und Kooperationen schafft Grün Berlin hier Lösungen, die ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich sind. Nachhaltige Stadtplanung wird zum immer dynamischeren Prozess, denn sie profitiert von der Digitalisierung.