Autos und Radfahrer fahren auf die Ampelanlage am Strausberger Platz in Berlin zu, im Hintergrund ist der Fernsehturm zu sehen.
© Konstantin Börner

Digitalisierung im Verkehr

Intelligente Mobilitätslösungen für Berlin

Wie infraSignal und infraVelo innovative Systeme nutzen, damit in Berlin alle zügiger und sicherer ans Ziel kommen.

Moderne Stadtentwicklung braucht eine Infrastruktur, in der alle Verkehrsteilnehmer*innen möglichst sicher und nachhaltig unterwegs sein können. Während die GB infraSignal GmbH beim Aus- und Umbau der Lichtsignalanlagen auf digitale Systeme setzt, treibt die GB infraVelo GmbH mit Künstlicher Intelligenz (KI) und einer digitalen Datenbank die Mobilitätswende voran. Beide Unternehmen sind Tochtergesellschaften von Grün Berlin.

Weiterentwicklung von Ampelanlagen

Die erste Ampel Berlins, die ab Dezember 1924 am Potsdamer Platz stand, wurde noch von Hand bedient. Ein Polizist saß in einem acht Meter hohen Turm, beobachtete die Verkehrsströme und regelte das Signal. Die Ampel galt als große technologische Errungenschaft – und sie bewährte sich.

Während der Straßenverkehr über Jahrzehnte immer stärker wuchs, entwickelte sich parallel auch die Technik und Schaltung der Ampeln in großen Schritten weiter – vom analogen Prinzip über elektronische Steuerungen bis hin zu den digitalen Innovationen der Gegenwart. infraSignal ist für das Management der Berliner Lichtsignalanlagen zuständig und sorgt heute dafür, dass die Technik laufend gewartet, in Stand gehalten und modernisiert wird, damit sie sicher und zeitgemäß funktioniert sowie anschlussfähig für weitere Innovationen bleibt. Davon profitieren dann alle, die sich zu Fuß, motorisiert oder auf dem Fahrrad durch die Stadt bewegen.

Die neue Detektonstechnik hilft dabei, die Signalsteuerung noch besser an die jeweiligen Situationen anzupassen.

Ampelanlagen werden smarter

An einigen Berliner Kreuzungen wird inzwischen Künstliche Intelligenz (KI) in der Detektionstechnik eingesetzt, die mithilft, Ampelsteuerungen bedarfsgerechter zu regeln, also die Grün- und Rotphasen besser an die jeweils aktuelle Verkehrssituation anzupassen. 2024 wurden zum Beispiel am Strausberger Platz neun Wärmebildkameras installiert, die den Straßenverkehr beobachten und registrieren, wenn sich Radfahrende oder Fahrzeuge der Kreuzung nähern. Mit Hilfe dieser Detektionstechnik kann das Steuergerät gezielter auf ein hohes Verkehrsaufkommen reagieren und flexibler die Ampelphasen für die entsprechenden Verkehrsteilnehmenden kürzen oder verlängern, damit der Verkehr besser fließt.

Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz lernen die Wärmebildkameras Schritt für Schritt dazu, zum Beispiel die Größe von Pulks zu erkennen, in denen Radfahrer*innen unterwegs sind, um Wartezeiten zu minimieren. Anders als Videokameras funktionieren Wärmebildkameras auch im Dunkeln oder bei schlechtem Wetter zuverlässig. Lichtsignalanlagen werden also nicht nur zu flexibleren und gemeinschaftsdienlicheren Technologien, sondern auch lernfähig. Die KI übernimmt in diesen Fällen allerdings nie die Steuerung, sondern wertet die Bilder der Kameras aus, interpretiert sie und macht die Anlagen damit intelligenter. Derzeit setzt infraSignal berlinweit an rund 20 Anlagen intelligente Wärmebildkameras ein. Weitere sollen an immer mehr Kreuzungen im Stadtgebiet installiert werden.

Quiz
Was bedeutet die Abkürzung V2X?
Tipp: Die Antwort finden Sie im Artikel.
Fast! Richtig! Es handelt sich um Vehicle-to-X(V2X)-Kommunikation – also die digitale Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur. Dies kann zum Beispiel dabei helfen, Ampelschaltungen so zu steuern, dass Stadtbussen und Tramzügen noch effizienter und gezielter Vorrang gewährt wird.

Grüne Welle für den ÖPNV

Nicht nur die Detektionstechnik wird smarter, sondern auch die Kommunikation von Ampelanlagen. Eine standardisierte Technologie ermöglicht künftig kooperative und intelligente Verkehrssysteme: Das Prinzip der Vehicle-to-X(V2X)-Kommunikation – also die digitale Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur – kann zum Beispiel helfen, Ampelschaltungen so zu steuern, dass Stadtbussen und Tramzügen noch effizienter und gezielter Vorrang gewährt wird. Damit lassen sich längere Wartezeiten im ÖPNV vermeiden und Fahrpläne auch in Stoßzeiten genauer einhalten. Zudem wird der Einfluss auf die Ampelphasen der anderen Verkehrsteilnehmenden minimiert. Zurzeit senden die Fahrzeuge bei der Anfahrt auf eine Kreuzung per Analogfunk Impulssignale an fest definierten Meldepunkten aus und melden sich auf diese Weise an der Ampel an, um Vorrang zu bekommen. Durch V2X-Systeme kann sich ein Fahrzeug in Zukunft digital und mit einer selbst prognostizierten Ankunftszeit deutlich genauer an der Ampel anmelden.

infraSignal ist im Rahmen eines Pilotprojekts an der Umsetzung V2X-basierter ÖPNV-Priorisierung beteiligt und verantwortet die dafür notwendige technische Umrüstung von Lichtsignalanlagen, um den abgekündigten Analogfunk perspektivisch durch die V2X-basierte ÖPNV-Priorisierung zu ersetzen.

In den kommenden Jahren kann die V2X-Technologie dafür sorgen, dass es für viele Berliner*innen dauerhaft attraktiver wird, den ÖPNV zu nutzen, was gleichzeitig zur Entlastung der Verkehrs- und Parksituation für alle Verkehrsteilnehmenden in der Stadt beitragen kann. Darüber hinaus ermöglicht die V2X-Technologie die Kommunikation der Ampel mit automatisierten und autonom fahrenden Stadtbussen. Auf den Berliner Teststrecken für autonomes Fahren laufen derzeit entsprechende Forschungsprojekte.

Sicherer Fahrradparken

Auch infraVelo, verantwortlich die für die Planung, den Ausbau und den Betrieb der Berliner Radverkehrsinfrastruktur, sorgt unter anderem mit digitalen Lösungen dafür, dass alle in Berlin besser und schneller unterwegs sein können. Dafür hat das Unternehmen beispielsweise ParkYourBike entwickelt, das einheitliche Buchungs-, Zugangs- und Abrechnungssystem, das gesichertes Fahrradparken ermöglicht. Es hat mittlerweile mehr als 1.000 registrierte Nutzer*innen und steht seit 2024 auch als App zur Verfügung.

Seit 2024 sind vier weitere ParkYourBike-Standorte am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost, U-Bahnhof Alt-Mariendorf, S-Bahnhof Schöneweide und U-Bahnhof Wutzkyallee hinzugekommen, so dass mittlerweile insgesamt rund 160 gesicherte Stellplätze zur Verfügung stehen. Und auch hier hilft digitale Technologie, um das Parken für Nutzer*innen zu vereinfachen und die Betreuung zu verbessern. Seit Oktober 2024 ist ein eigener Servicebot für ParkYourBike rund um die Uhr verfügbar und kommuniziert in fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Ukrainisch, Türkisch, Vietnamesisch). Das neue Tool hat sich als so schnell und qualitativ überzeugend erwiesen, dass es nur drei Monate nach Einführung mit dem Service Globe Award von Euroforum und Handelsblatt ausgezeichnet wurde.

Zunächst war der Einsatz des Systems für Berlin vorgesehen. Dank einer im vergangenen Jahr geschlossenen Kooperation mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) wird gesichertes Fahrradparken mit der ParkYourBike-App ab 2025 auch in Brandenburg möglich sein. Damit werden rund 1.500 gesicherte Abstellplätze für Fahrräder an 22 Standorten in Berlin und Brandenburg zur Verfügung stehen.

Die Datenbank ermöglicht es, alle Radverkehrsprojekte des Landes und der Bezirke besser und effektiver zu steuern.

Eine Plattform, die Synergien schafft

Ein weiteres Beispiel dafür, wie digitale Technologie den Radverkehr auf Berliner Straßen fördert und damit die Mobilitätswende vorantreibt, ist die Berliner Radverkehrsdatenbank, die infraVelo für das Land entwickelt hat, betreibt und kontinuierlich ausbaut. Die mehrdimensionale, cloudbasierte Plattform bildet alle Radverkehrsprojekte des Landes und der zwölf Berliner Bezirke auf ihrem aktuellen Stand ab und ermöglicht es, sie zu priorisieren, besser und effektiver zu steuern, zu koordinieren und so zu beschleunigen. Neben infraVelo haben auch die Verantwortlichen in den Bezirken Zugriff und damit nicht nur einen guten Überblick über eigene Projekte, sondern auch darüber, was in den anderen Bezirken geplant und umgesetzt wird.

In der Datenbank kann infraVelo alle Einzelmaßnahmen erfassen, die verschiedene Bezirke und Träger öffentlicher Belange in der Stadt verantworten. Der Neubau oder die Sanierung von Radwegen, der Umbau von Knotenpunkten oder die Einrichtung von Fahrradstellplätzen können von den Verantwortlichen so einfacher und schneller geplant und umgesetzt werden. Auch die Beantragung von Fördergeldern und Mittelabforderungen erfolgt datenbankgestützt und erzeugt weniger Aufwand für die Projektbeteiligten. Alle relevanten Informationen laufen für alle Verantwortlichen an einer zentralen Stelle zusammen und sind jederzeit aktuell abrufbar, was den Überblick erleichtert und die verschiedenen Projekte untereinander verknüpft.

Transparenz über alle Maßnahmen für den Radverkehr

Außerdem unterstützt die Datenbank die Öffentlichkeitsarbeit von infraVelo. Unter www.infravelo.de/karte können alle Interessierten einen interaktiven Stadtplan aufrufen, der ausgewählte Radverkehrsund Geodaten sowie Fotos zeigt. Die Website beantwortet damit die wichtigsten Fragen in Bezug darauf, welche Radprojekte derzeit in Planung, in Arbeit oder abgeschlossen sind und was in verschiedenen Kiezen wann passiert. So wird das Verwaltungshandeln für Bürger*innen transparent und nachvollziehbar. Ein weiterer Vorteil: Die Bezirke sparen personelle Ressourcen für Dokumentation und Verwaltungsaufgaben, die beispielsweise für Planungsaufgaben eingesetzt werden können. Außerdem ist vorgesehen, dass die Bezirke im Jahr 2025 über die Berliner Radverkehrsdatenbank ihre Projekte in den Baustellenatlas übertragen können. Und auch eine vollständige Abbildung aller Radabstellanlagen, die in der Stadt von unterschiedlichen Akteur*innen geplant und gebaut werden, ist vorgesehen. So kann die Digitalisierung dabei mithelfen, dass Berlin für alle Teilnehmer*innen am Straßenverkehr eine lebenswerte Stadt bleibt, die Mobilitätswende gelingt und die Arbeit daran so reibungslos und wirtschaftlich wie möglich verläuft. Für infraVelo und infraSignal haben diese Ziele höchste Priorität.