Ökokonto
Es geht um die Ressourcen
Ausgleichsmaßnahmen erhöhen die Lebensqualität der Berliner*innen und beschleunigen gleichzeitig Bauprojekte.
Der Kienbergpark liegt in Marzahn-Hellersdorf in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Gärten der Welt. Attraktionen wie eine Seilbahn, der Wolkenhain, die Natur-Bobbahn oder das Umweltbildungszentrum des Campus Stadt Natur machen ihn zum perfekten Ausflugsziel für Berliner*innen. Auf einer Fläche von 60 Hektar mit dem 110 Meter hohen Kienberg im Zentrum bietet der Kienbergpark ausreichend Raum für Freizeit, Spiel und Naturerfahrung.
Grün Berlin hat im Januar 2024 mit der klimaresilienten Umgestaltung des Areals begonnen, die seither plangerecht voranschreitet. Zuletzt wurde im November mit der Neupflanzung von rund 2.500 Bäumen und Sträuchern begonnen. Insgesamt sollen es rund 13.000 Gehölze werden.
Ein Konto für die Stadtökologie
Hinter der Baumaßnahme steht das Konzept des sogenannten Berliner Ökokontos, eine Initiative der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, die auf dem deutschen Baugesetzbuch basiert. Land und Bezirke arbeiten hierfür eng zusammen, um dringende Bauvorhaben zu beschleunigen. Gewöhnlich müssen Bauherr*innen ökologische Ausgleichsmaßnahmen definieren, genehmigen lassen und umsetzen, wenn sie Großprojekte wie Schnellstraßen oder Quartiere in Angriff nehmen.
Das ist zeitintensiv, kann den Bau dringend benötigter Infrastrukturen deutlich verzögern und viel Geld kosten. Gerade in einer Zeit, in der neue Wohnungen stark gefragt sind, sollten diese Projektschritte jedoch möglichst schnell und kostensparend geschehen – wofür das Berliner Ökokonto eine Lösung bietet.
Echtes grünes Guthaben
Die Idee: Das Land Berlin hält ein Kontingent an bereits ökologisch aufgewerteten Flächen bereit. Städtische Bauherr*innen, die gesellschaftlich bedeutsame Projekte planen und dafür einen Ausgleich suchen, können diese Areale in Anspruch nehmen. Die Unternehmen greifen auf das Ökokonto zu, zahlen für die bereits erledigten Kompensationen und sparen damit viel Zeit und Aufwand. Das Ökokonto funktioniert dann in der Tat wie ein Bankguthaben: Parks, Grünflächen und Biotope werden dort vorsorglich eingebucht und dann, sobald sie für einen konkreten Bebauungsplan, einen Quartiers oder Straßenbau angerechnet werden, wieder getilgt.
Wenn Stadtgrün wie im Kienbergpark kultiviert wird, lassen sich dadurch einige der Folgen des Klimawandels abfedern und drohende Schäden reduzieren.
Fürs Ökokonto geeignete Maßnahmen sind Aktivitäten, die Flächen ökologisch aufwerten und damit die an anderen Orten durch größere Bauprojekte entstehenden Beeinträchtigungen der Stadtnatur ganz oder zu großen Teilen ausgleichen. So entsteht ein echter Mehrwert für die Stadtentwicklung und die Bürger*innen Berlins, denn durch die gezahlten Ausgleichskosten können Grünflächen auf Jahre hinaus erhalten und qualifiziert werden. Und was nicht zu vergessen ist: Bauvorhaben, die mit dem Ökokonto verrechnet werden, können schneller und kostensparender umgesetzt werden, da es hiermit für den ökologischen Ausgleich einen etablierten, bewährten Prozess im Land Berlin gibt, der Kompensationsmaßnahmen bündelt und miteinander verknüpft.
Der Park als resiliente Landschaft
Der Kienbergpark ist ein Teilraum des Leitprojekts Biotopverbund Wuhletal und zählt damit zum Vorrat von Ausgleichsmaßnahmen, mit denen das Land Berlin zukünftige Bauvorhaben im oben beschriebenen Sinn ökologisch refinanzieren wird. Das konkrete Ziel des behutsamen Waldumbaus auf einer Projektfläche von 9,1 Hektar ist die Aufwertung des Parks, mit der seine biologische Vielfalt und seine Klimaresilienz gestärkt werden sollen. Laut Plan werden hier die gebietseigenen Gehölzarten wie Feldahorn, Waldkiefer, Salweide oder Bergulme gesichert und gefördert. So wird ein neuer Laubmischwald entstehen, an dessen Rändern heimische Sträucher wie Hartriegel, Hundsrose oder Schneeball blühen sollen. Die Arbeiten erfolgen in drei Phasen und sollen Ende 2029 abgeschlossen sein.
Korridor mit viel Platz
Für die grüne Stadtentwicklung sind alle Ausgleichsmaßnahmen von zentraler Bedeutung. Ein weiteres Beispiel: In der Nähe des Hauptbahnhofs entsteht ein neuer, großer, vielfältig nutzbarer Freiraum auf einer Fläche, die lange Zeit nur eine Brache war. Zwischen den Moabiter Wohnquartieren in der Lehrter Straße und der Europacity kann man bald bei gutem Wetter die Mittagspause im Grünen verbringen oder sich abends und am Wochenende mit Freund*innen zum Picknick treffen. Die neue Grünverbindung, die hier mitten in der Stadt entsteht, wird voraussichtlich Ende 2026 fertiggestellt. Sie bietet Raum zum Spielen, Sporttreiben, Naturerleben und außerdem Lebensraum für viele verschiedene Tierarten. Kurz gesagt: Der Döberitzer Grünzug, wie die Fläche in Anlehnung an die Döberitzer Straße heißt, wertet ein zentrales Stück Stadt nachhaltig auf – und das auf 4,1 Hektar, also der Fläche von rund sechs Fußballfeldern.
Grün Berlin entwickelt, baut und bewirtschaftet den Grünzug für das Land Berlin als Ausgleichs- und Gestaltungsmaßnahme, die kompensieren soll, was der Bau der Bundesstraße 96 an Eingriffen in die Stadtnatur und -landschaft kostet. Der erste Abschnitt wurde nach anderthalbjähriger Bauzeit im Dezember 2024 eröffnet. Das 2,6 Hektar große Areal (die Fläche von rund dreieinhalb Fußballfeldern), die Nord-Süd-Grünverbindung, ist als erster Teil für alle zugänglich: ein mit über 140 hitze- und trockenheitsresistenten, in der Pflege sehr günstigen Pflanzen und Bäumen ausgestatteter Korridor, der die Wohnquartiere untereinander verbindet und sie der Natur näher bringt.
Die Fläche ist großzügig gestaltet – was im engen städtischen Raum eine echte Besonderheit ist – und bietet vielen Menschen und ihren unterschiedlichen Bedürfnissen bis zu 3,50 Meter breite Wege, so dass Fußgänger*innen mit und ohne Kinderwagen, Rollstühle und Gehhilfen bequem unterwegs sein können. Der südliche Anschluss in Richtung Hauptbahnhof wurde sogar noch einen Meter breiter angelegt, da er zu bestimmten Tageszeiten besonders stark frequentiert wird.
Beste Investition für morgen
Wenn Stadtgrün wie der Kienbergpark oder der Döberitzer Grünzug kultiviert wird, lassen sich dadurch einige der Folgen des Klimawandels abfedern und drohende Schäden reduzieren. Das urbane Klima kühlt sich ab, dadurch sinkt unter anderem die Hochwassergefahr. Das sind zwei von vielen Beispielen dafür, wie Naturschutz dazu beitragen kann, die Stadt von morgen funktionstüchtiger und für die Berliner*innen lebenswerter zu machen. Das Berliner Ökokonto und Ausgleichsmaßnahmen helfen mit, dieses Ziel zu erreichen.