Regenwassermanagement
Unsere Wege zur Schwammstadt
Wie unsere Konzepte zum Regenwassermanagement Berlin zukunftsfähig machen.
Schon Mitte der 90er-Jahre war Berlin einer der internationalen Pioniere bei der Umsetzung der Schwammstadt-Idee. Ein Wohngebiet in der Rummelsburger Bucht wurde damals auf Basis früher Regenwassermanagement-Systeme angelegt, so wie auch das Wissenschaftsquartier Adlershof.
Heute, in einer Zeit, in der noch intensiver als damals über die ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen debattiert wird, die der Klimawandel auf urbane Strukturen haben wird, haben sich solche Maßnahmen immer stärker etabliert. Ansätze, mit denen man den klimatischen Herausforderungen begegnen und dauerhaft zu ihrer Lösung beitragen kann, gehören zum festen Werkzeugkasten der nachhaltigen Stadtentwicklung. Und Grün Berlin integriert Schwammstadt-Konzepte seit langer Zeit in seine Projekte.
Wasserströme muss man steuern
So profitiert der neue Gendarmenmarkt vom großen, umfassend bewährten Know-how zweier landeseigener Unternehmen, die einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung leisten. In der partnerschaftlichen Zusammenarbeit bildet sich ab, wie sich die Umbauten am weltberühmten Platz in ein zukunftsfähiges, gut durchdachtes Konzept einfügen, das Berlin zu einem Vorreiter bei der Entwicklung zur Schwammstadt machen soll.
Zahlen und Fakten zum Gendarmenmarkt
- Fläche: 14.000 Quadratmeter
- Kosten: ca. 21 Mio. Euro
- Finanzierung: GRW-Mittel, Landesmittel
- Gesamtlänge Trinkwasserleitung: 737 Meter
- Gesamtlänge Abwasserleitung: 1.120 Meter
- Gesamtlänge Stromleitung: ca. 3.000 Meter
- Menge Natursteinpflaster: ca. 6.000 Tonnen
- Fertigstellung: 2024
Die Vorteile der Regenspeicher
Das Prinzip, in aller Kürze: Man betrachtet Regenwasser als kostbares Gut, das genau an den Orten versickert oder verdunstet, an denen es vom Himmel fällt. Und das sich dort auch fürs Stadtklima positiv nutzen lässt. Die Vorteile, die klug eingesetztes Regenwassermanagement bringt, liegen auf der Hand und werden in Zukunft noch wichtiger. So kann Wasser in bestehenden Freiflächen, Dachgärten, Mulden oder unterirdischen Speichern gesammelt werden, um es später zu nutzen oder langsam abzugeben. Plätze, Parks und Straßen werden zu temporären Wasserspeichern gestaltet, ohne dass sie ihre Hauptfunktion in der Stadt verlieren.
Neben dem direkten Nutzen, bei Starkregen die Kanalisation, die Kläranlagen und die Gewässer zu entlasten, erfüllen die Regenspeicher noch weitere Zwecke. Sie versorgen vor allem im Sommer grüne Freiräume auf natürliche Art mit benötigtem Wasser. Außerdem kann die dadurch angeregte Verdunstung helfen, das Umgebungsklima so weit herunterzukühlen, dass mitten in der Stadt gelegene Plätze zu jederzeit gut nutzbaren sozialen Orten für alle werden. Auch dann, wenn die Sonne intensiv scheint.
Effizienz durch Klimaresilienz
All diese Punkte führen zu einem Kern: Dadurch, dass Grün Berlin Schwammstadt-Technologien einsetzt und vorantreibt, können wir kurz- und mittelfristig Ressourcen und Kosten einsparen. Das Prinzip macht es möglich, Regenwasser für vielfältige Aufgaben zu nutzen, für die ansonsten wertvolles aufbereitetes Trinkwasser verwendet werden müsste. Der Prozess entlastet nicht nur die Kanalisation und die Kläranlagen und macht weiteren Energie- und Chemikalieneinsatz unnötig. Er reduziert auch an vielen Orten den Bedarf an künstlicher Kühlung. Das spart Ressourcen im Sinn des Umweltschutzes – und Geld.
In der Konsequenz senken Regenspeicher langfristig entscheidende Folgekosten – von den Kosten für die Beseitigung der verschiedensten lokalen Hochwasserschäden über die Mehraufwände, die zeitweise durch die Folgen der Unwetter entstehen, bis hin zu Sanierungskosten für überlastete Kanalsysteme. Es ist eine komplexe Rechnung, die am Ende auf überzeugende Art aufgeht. Eine Umstellung auf Regenwassermanagement ist daher eine denkbar günstige Methode, um nachhaltig zu bauen. Dass eine klimaresiliente Stadt auch für Tourismus und Investitionen von außen dauerhaft attraktiv bleibt, kann man als zusätzlichen Gewinn verbuchen.
Eine Idee setzt sich durch
Um Behörden, Planer*innen und Bürger*innen bei dieser Entwicklung zu unterstützen, wurde 2018 vom Land Berlin und von den Berliner Wasserbetrieben als erster Meilenstein die Regenwasseragentur gegründet. Mit der neu gegründeten blau-grünen Allianz von Grün Berlin, den Berliner Wasserbetrieben, der Berliner Immobilienmanagement GmbH und der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt soll die klimaresiliente Transformation der öffentlichen Räume und Immobilien Berlins zusätzlich an Fahrt gewinnen, indem Synergien gefördert und der Wissenstransfer erleichtert wird.
Eines der Ziele ist es, perspektivisch den natürlichen, durch Versiegelungen unterbrochenen Kreislauf von Niederschlag, Versickerung und Verdunstung weitgehend wiederherzustellen. Am Gendarmenmarkt beispielsweise, dessen 14.000 Quadratmeter Grün Berlin in einer zweijährigen Bauphase zukunftssicher saniert hat, wurden effiziente Lösungen zur Klimaanpassung und Regenwasserbewirtschaftung umgesetzt. Als im Dezember 2024 pünktlich die Hauptbauarbeiten abgeschlossen wurden, ging neben einer neuen, unterirdischen Infrastruktur für Trink- und Schmutzwasser sowie Strom auch ein umfangreiches System zum Regenwassermanagement in Betrieb. Im März 2025 wurde der Platz offiziell wiedereröffnet.
Zukunftskraft für historische Orte
Da es am Gendarmenmarkt aufgrund des Denkmalschutzes kaum unbefestigte Frei- und Grünflächen gibt, wurden alternative Lösungen gefunden, damit größere Regenwassermengen versickern können. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein System aus insgesamt sechs Rigolen mit einer Speicherkapazität von 480 Kubikmetern. Auf diese Weise bildet das System mitten in der Stadt den Wasserkreislauf der Natur nach, wodurch die historische Mitte Berlins vor einigen Auswirkungen des Klimawandels geschützt werden kann. So werden effizient hohe Folgekosten verhindert. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Veranstaltungen und die Gastronomien vor Ort haben sich durch den Umbau stark verbessert. So ist der Platz wieder zum Anziehungspunkt für Bürger*innen und Besucher*innen geworden.
Ein geschichtlich und architektonisch ähnlich bedeutsamer Ort ist der Bereich Rathaus- und Marx-Engels-Forum, der von Wahrzeichen wie dem Fernsehturm, dem Roten Rathaus oder dem Neptunbrunnen geprägt ist und ebenfalls zu einem Stück Schwammstadt umgebaut wird. Unter strikter Beachtung aller Denkmalschutzvorgaben wird Grün Berlin als Bauherr und Träger des Gesamtprojektmanagements hier rund 5.000 Quadratmeter Fläche entsiegeln, um neues Stadtgrün zu schaffen. Dass so das Mikroklima aufgewertet wird, ist an diesem zentralen Aufenthaltsort besonders bedeutsam – für die Stadtbevölkerung wie für die Tourist*innen. Nach der 2024 abgeschlossenen Entwurfsplanung hat die Umsetzung begonnen.
Zahlen und Fakten zum Rathaus- und Marx-Engels-Forum
- Entstehender Freiraum: 72.000 Quadratmeter
- Bauzeit: 2024 bis 2030
- Investitionen: rund 33,9 Mio € (netto)
- Finanzierung: GRW, Landesmittel und BENE 2
- Durchgängige Fußwege zwischen Spree und Fernsehturm: 900 Meter
- Sitzstufen an der Spree: ca. 750 Meter
Schritte zum Schwammprinzip
Ein anderes städtebaulich wichtiges Projekt von Grün Berlin ist die Umgestaltung am Platz der Luftbrücke und in der Umgebung. Ein Gebiet, das von vielen lange Zeit vor allem als Verkehrsknotenpunkt wahrgenommen wurde, soll in einen Ort verwandelt werden, der mit abwechslungsreich angelegten Plätzen und Grünflächen zum Verweilen einlädt. Hier werden der neue Quartiersplatz und die sogenannte Piazza auf einer derzeit als Parkplatz genutzten Fläche mit einem System zum Regenwassermanagement ausgerüstet. Bei Starkregen wird das Niederschlagswasser zeitweise in sogenannten Retentionsräumen zurückgehalten und anschließend langsam zur Versickerung gebracht.
Zahlen und Fakten zum Platz der Luftbrücke
- Fläche: 33.000 Quadratmeter
- Investitionen: ca. 15 Mio. Euro
- Finanzierung: Landesmittel & BENE 2
- Zusätzliche Fläche Freiraum für Bürger*innen: 8.800 Quadratmeter
- Zusätzliche neue Fahrradstellplätze: 206
- Von den Maßnahmen profitierende Anwohner*innen: ca. 40.000
- Voraussichtliche Fertigstellung westlicher Teilbereich: 2027
Es sind all diese Schritte, die Berlin immer weiter in Richtung Schwammstadt bringen. Über die einmaligen Investitionen hinaus schaffen Bauherr*innen und ihre Kooperationspartner*innen mit den Systemen zum Regenwassermanagement nachhaltige Effizienzgewinne und sorgen dafür, dass die Stadt im Angesicht des Klimawandels handlungsfähiger wird. Es gehört zur DNA von Grün Berlin, den Menschen diese Vorteile bestmöglich zu sichern.