Rathaus- und Marx-Engels-Forum

Kollektiv koordiniert

Die Neugestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum ist ein Musterbeispiel dafür, wie Grün Berlin in komplexen Projekten zahlreiche Interessenvertreter*innen zusammenbringt.

Urbane Orte mit so viel historischer Aura und Bedeutung stellen einzigartige Herausforderungen dar, wenn man sie für die Zukunft fit machen will. Schon 2015, als die erste Bürger*innenbeteiligungsdebatte zum Rathaus- und Marx-Engels-Forum stattfand, war daher völlig klar, dass die klimaresiliente, nachhaltige Sanierung nur als gemeinsame, gut abgestimmte Anstrengung diverser Stakeholder und Interessenvertreter*innen zu schaffen sein würde.

Das Areal in der historischen Mitte Berlins, das durch Wahrzeichen wie den Fernsehturm, das Rote Rathaus, den Neptunbrunnen und die Marienkirche charakterisiert ist, das einen Abschnitt des Spreeufers entscheidend prägt und an dem Politik und Stadtgeschichte auf vielfältige Bedürfnisse von Einwohner*innen und Tourist*innen treffen, ist für die gesamte Stadt identitätsstiftend. Daher ist es ein Ort, für dessen sorgfältige Weiterentwicklung verschiedenste Interessen auf einen Nenner gebracht werden müssen. Der seit nunmehr acht Jahren produktiv voranschreitende Prozess beweist: Ein solcher Kraftakt kann funktionieren, wenn er gut geplant und koordiniert wird.

Kooperationspartner

  • Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie weitere Senatsverwaltungen
  • Bezirk Mitte – Straßen- und Grünflächenamt (SGA)
  • Berliner Wasserbetriebe
  • Berliner Regenwasseragentur
  • Landesdenkmalamt
  • verschiedene landeseigene Betriebe
  • Städtebauliche Kriminalprävention (SKP)
  • Gangway e. V. im Rahmen der Jugendpartizipation
  • Moabiter Ratschlag e. V. im Rahmen der Jugendpartizipation

Viele ziehen an einem Strang

In der Funktion des Bauherrn und Träger des Gesamtprojektmanagements hat Grün Berlin bereits im frühen Stadium den regelmäßigen Austausch mit allen Kooperationspartnern und Teilhabern gestartet und Strukturen etabliert, über die zu allen Fragen konsensfähige Lösungen entwickelt werden können.

Zu den beteiligten Zuständigen zählen unter anderem verschiedene Senatsverwaltungen wie die Verwaltungen für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Hinzu kommen das Bezirksamt Mitte, das Straßen- und Grünflächenamt, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sowie weitere landeseigene Gesellschaften: die Berliner Stadtreinigungsbetriebe, die Verkehrs- und die Wasserbetriebe.

Umfassende Beteiligung

Daher ist das Rathaus- und Marx-Engels-Forum ein herausragendes Beispiel dafür, welche umfassende Bedeutung Partnerschaften und kooperatives Vorgehen für die erfolgreiche Arbeit von Grün Berlin haben – und wie hier oft viele verschiedene Bälle in der Luft gehalten und Konsenspunkte gefunden werden müssen. Die Harmonisierung unterschiedlicher Ziele ist gerade bei gesellschaftlich so signifikanten Orten wie diesem eine komplexe Aufgabe.

Auch die Stadtgesellschaft wurde schon sehr früh in den Prozess eingebunden. 2015 begann der Bürger*innendialog „Alte Mitte – Neue Liebe“, in dessen Rahmen von rund 10.000 Teilnehmer*innen zehn Bürger*innenleitlinien definiert wurden. Hier ergab sich unter anderem, dass die zwei Forumsflächen nicht bebaut, sondern als Freiräume und Ort für alle entwickelt werden sollten. Initiiert von der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, wurde der Dialog mit der Stadtwerkstatt Berliner Mitte fortgeführt. Auf Basis der erzielten Ergebnisse erfolgte 2021 ein internationaler freiraumplanerischer Ideenwettbewerb.

Zahlen & Fakten

  • Entstehender Freiraum: 7,2 Hektar
  • Bauzeit: 2024 bis 2030
  • Investitionen: 34 Mio. €
  • Finanzierung: GRW-Mittel, Landesmittel
  • Durchgängige Fußwege zwischen Spree und Fernsehturm: 900 Meter
  • Sitzstufen an der Spree: ca. 750 Meter

Die Planung schreitet voran

Dass das partizipative Element von Anfang an als zentraler Faktor mitgedacht wurde, wird dem fertigen Stadtraum hohe Akzeptanz verschaffen. Im Mai 2023 konnte die Vorplanung abgeschlossen werden, in deren Rahmen der Siegerentwurf des Wettbewerbs auf seine Umsetzbarkeit hin geprüft, konkretisiert und weiterentwickelt wurde. Hinweise der Wettbewerbsjury und Anregungen der Bürger*innen flossen als Feedback ein.

Die denkmalgeschützten Bereiche der zwei Foren werden demnach zu einem durchgehenden Freiraumband verbunden werden, das vom Alexanderplatz bis zur Spree reicht. Weitere Planungen sehen eine barrierefreie Erschließung und Aufwertung des Spreeufers, die Einrichtung von Freizeit-, Sport- und Spielplätzen für alle Altersgruppen in den seitlichen Baumhainen sowie ein innovatives System zum Regenwassermanagement vor. Dazu sollen rund 5.000 Quadratmeter Fläche entsiegelt werden, um grüne Räume zu schaffen, die attraktive Aufenthaltsorte sind und zugleich das Mikroklima verbessern.

Quiz
Wie viele Bürger*innen beteiligten sich im Rahmen des Programms "Alte Mitte – Neue Liebe"?
Tipp: Die Antwort finden Sie im Artikel.
Fast! Richtig! Rund 10.000 Teilnehmer*innen beteiligten sich bereits ab 2015 an der Entwicklung des Rathaus- und Marx-Engels-Forums und definierten u. a. zehn Bürger*innenleitlinien.

Vereint zur Schwammstadt

Die Idee des Regenwassermanagements spielt in vielen Projekten von Grün Berlin eine Rolle. Und auch hier arbeiten mehrere Akteure zusammen: Die Regenwasseragentur berät mit ihrer Expertise, die  Wasserbetriebe stimmen sich bezüglich des Betriebs der Anlage mit dem Bezirk ab. Auch das Landesdenkmalamt ist beteiligt, da die Aushubarbeiten möglicherweise historische Relikte zu Tage fördern. Wenn Rathaus- und Marx-Engels-Forum zur Schwammstadt werden, überlagern sich Zuständigkeiten und Aspekte, die Grün Berlin mit großer Projekterfahrung koordiniert. An die Vorplanung schloss sich der Start der Entwurfs- und Genehmigungsphase an. Die bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen voraussichtlich im Herbst 2024. Wenn die gemeinsam auf den Weg gebrachte Arbeit am Rathaus- und Marx-Engels-Forum vollendet ist, wird nicht nur der historische Bestand in neuem Glanz erstrahlen. Das Konzept wird Aufenthaltsqualität, Nachhaltigkeit und Kulturvermittlung an diesem Platz in der Mitte Berlins deutlich steigern und optimieren – und sein Potenzial damit endlich voll ausschöpfen.